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Herma - für alles, was klebt


Europas Haftmaterialien-Spezialist investiert in Filderstadt 45 Millionen Euro

Filderstadt. Läuft es rund? Kritisch beäugt Maschinenführer und Teamleiter Tobias Kreutzer den Lauf der Bahnen im Kaschierwerk der weltweit modernsten Beschichtungsanlage für Haftmaterial.

Sie ist das Herzstück eines gigantischen Investitionsprogramms, für das Herma in vier Jahren 45 Millionen Euro ausgibt. Dadurch entstehen in Filderstadt 70 neue Arbeitsplätze. Die letzte Phase, der Ausbau des Beschichtungswerkes für eine vollautomatische Verpackungsanlage und Schneidemaschinen, hat gerade begonnen.

Das über 100 Jahre alte Familienunternehmen (800 Mitarbeiter, 200 Millionen Euro Umsatz pro Jahr) gilt als Eurapas Spezialist für Selbstklebetechnik. Etwa die Hälfte der Waren geht in den Export.

Pionierposition wird ausgbaut

Ob Etiketten auf Verpackungen wie beim Duftklassiker „4711“ oder Barcodes,  selbstklebende Notiz-Zettel oder Patienten-Etiketten im Krankenhaus: „Wenn etwas aufgeklebt wird, ist fast immer Herma im Spiel“, so Geschäftsführer Sven Schneller, der 1986 als Auszubildender dort startete. Neben der Entwicklung und Produktion von Haftmaterialien fertigt Herma auch die Etiketten selbst an. Die passenden Maschinen kommen ebenfalls aus Filderstadt – vom Hand-Etikettiergerät für den Einzelhandel bis zu großen Anlagen.

„Das neue Beschichtungswerk wird unsere Pionierposition als Technologieführer untermauern“, so Schneller. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1.100 Metern pro Minute werden Trägerpapier, Kleber und Deckmaterial zusammengeführt.

Dank der neuen Technik lassen sich mehrere Klebstoffschichten gleichzeitig auftragen. So kann man sich noch besser auf die Anforderungen einzelner Kunden einstellen. Einer will leicht ablösbare Etiketten, ein anderer extrem fest haftende.

Die 1.200 Meter lange Anlage läuft im Drei-Schicht-Betrieb. Kreutzer und sein Team sind eine von drei Mannschaften, die den Koloss betreuen. Mit dabei ist Georgios Siobolas: „Ich bin hier mehr als zufrieden. Das ist genau mein Ding.“ 

Laut Siobolas ist viel Fingerspitzengefühl erforderlich, um die Anlage zur Höchstleistung zu bringen:  „Wenn alles reibungslos läuft und wir mit mehr als 1.000 Metern pro Minute fahren, gibt das dem ganzen Team einen Kick.“

Mit dem Tempo stieg die Kapazitätsmenge von rund 350 Millionen Quadratmetern Haftmaterial im Jahr auf 750 Millionen. Das Krisenjahr 2009 ging rum ohne Kurzarbeit und betriebsbedingte Entlassungen. „Der Verkauf von Haftmaterial lief so gut, dass wir die Verluste im Etiketten-Geschäft auffangen konnten und sogar Gewinn verzeichneten“, sagt Schneller. Und daran werden alle beteiligt. Im Dezember gab es deshalb 200 Euro extra für jeden.

Klares Bekenntnis zum Standort

Außerdem wurde der Beschäftigungssicherungsvertrag verlängert. Schneller:

„Wir stehen klar zum Standort Deutschland. Hier wurde Herma gegründet, hier leben unsere Beschäftigten mit ihren Familien.“ Das freut auch Giovanni Tocci, der schon seit 32 Jahren im Betrieb ist: „Ich bin zufrieden, ich schaffe bei Herma!“

Maja Becker-Mohr

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