Biotechnologie

Her mit den Wohlfühl-Klamotten!


Weniger Wasser, mehr Ertrag: So sichert Bayer CropScience den Rohstoff Baumwolle

Monheim/Gent. Kratzt der Woll-Pulli? Schnell ein kuscheliges T-Shirt drunterziehen! Denn Baumwolle verwöhnt unsere Haut. Die atmungsaktive Naturfaser steckt auch in Watte oder Werkstoffen für die Automobil-Industrie.

Pflanzen-Spezialist Bayer CropScience in Monheim (18.700 Mitarbeiter weltweit) sorgt mithilfe der Biotechnologie dafür, dass der begehrte Rohstoff optimal gedeiht.

In 30 Minuten die DNA isoliert

26 Millionen Tonnen „weißes Gold“ ernteten die Bauern 2008 rund um den Globus. Mehr als doppelt so viel, wie noch vor 50 Jahren – bei gleicher Anbaufläche.

Wie geht das? „Durch Züchtung und genetisch modifizierte Sorten“, erklärt der Molekularbiologe Michael Metzlaff. Er arbeitet im Bayer-Zentrum für moderne Pflanzenforschung im belgischen Gent. Dort machen Spezialisten Baumwoll-Sträucher fit gegen Krankheitserreger, Bakterien, Viren und Pilze. Und gegen Trockenheit: Regen ist rar in den großen Anbaugebieten China, USA, Indien.

Um den „Durst“ der Baumwolle zu bremsen, betrachten die Forscher das Erbgut: Welche Gene sind verantwortlich für weniger Wasserbedarf? „Wenn wir sie haben, bringen wir sie in neue Kulturen ein“, sagt Metzlaff.

Dazu kreuzt man geeignete Pflanzenpartner miteinander. Oder überträgt das Gen direkt auf eine neue Pflanze: „In den 70er-Jahren habe ich noch eine Woche im Kühlraum verbracht, um das Erbmaterial, die DNA, aus einer Pflanze zu isolieren“, so der Forscher. „Heute dauert es gerade mal 30 Minuten.“ Mit Glück wachsen schon innerhalb eines Jahres erste Exemplare mit den gewünschten Eigenschaften.

Bessere Sorten schneller züchten

Was unterscheidet Biotech vom traditionellen Verfahren? „Wir mischen die Pflanzen-Gene wie jeder Züchter. Nur sehr viel genauer“, erklärt der Wissenschaftler. „Wir kennen bereits viele der rund 30.000 Baumwoll-Gene und wissen von einigen wichtigen Genen, wie sie reagieren.“

Und es geht viel schneller: Entstanden neue Baumwoll-Sorten früher in 10 bis 18 Jahren, sind es heute gerade mal 5 bis 8 Jahre.

Die neuen Kulturen müssen dann noch aufwendig getestet werden, etwa auf allergie-auslösende oder giftige Inhaltsstoffe. Erst dann darf man sie zum Kauf anbieten. Gibt es bereits die „ideale Pflanze“? „Nein“, lautet die spontane Antwort. „Das Klima verändert sich, wir brauchen laufend neue Eigenschaften.“

Die Landwirte wollen jetzt zum Beispiel Baumwolle, die auch Hitze oder versalzene Böden aushält. Doch die Optimierung ist kompliziert:  „Heute greifen wir tiefer in die gesamte Physiologie der Pflanze ein als früher“, so der Pflanzen-Genetiker. Dadurch ergeben sich neue Fragen: Wenn die Pflanze Trockenheit verträgt und es kommt eine Regenperiode – hält sie das aus? Stimmt der Ertrag noch?

Und die Qualität?

Neue Faser ist weich und bügelfrei

„Wir forschen zum Beispiel  an der Weichheit der Faser“, sagt Metzlaff. „Sie soll zudem bügelfrei sein und sich besser färben lassen.“ Gleichzeitig soll die Pflanze ölreiche Samen liefern, etwa für die Produktion von Margarine, Seifen und Kerzen.

Es gibt also genug zu tun: Bis 2018 will das Unternehmen Bayer CropScience rund 3,5 Milliarden Euro in den Ausbau der modernen Pflanzenzüchtung investieren. Gleichzeitig soll der Umsatz im Geschäftsbereich BioScience auf rund 1,4 Milliarden Euro um mehr als das Dreifache steigen.

 

Info: Biotechnologie

Die deutsche Biotechnologie ist trotz der Krise gewachsen: 2009 gab es 531 Unternehmen, 30 Firmen mehr als 2008, so das Bundesforschungsministerium. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um 500 auf 14.950. Rechnet man jene Unternehmen mit, die sich nur teilweise mit Biotech beschäftigen, dann stieg die Beschäftigtenzahl erstmals über 30.000. Der Umsatz lag unverändert bei 2 Milliarden Euro, die Forschungsausgaben bei 1 Milliarde.

www.biotechnologie.de

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