Handy-Recycling

Her mit den kleinen Schätzen


Wie Umicore unsere Edelmetalle rettet

Hanau. Sie haben Liebesbeweise und Hiobsbotschaften überbracht. Jetzt schmelzen sie bei einer unvorstellbaren Hitze von 1.200 Grad Celsius dahin. Auch, wenn ihr Dasein dort sein Ende nimmt: Noch finden viel zu wenig nutzlos gewordene Handys den Weg in eine Recycling-Anlage.

Gold, Silber, Palladium – das sind nur drei von vielen Edel- und Sondermetallen, die in einem Handy stecken. „Wir finden sowohl Wert- als auch Schadstoffe in einem Mobil-telefon. Die kann man nicht einfach so wegschmeißen,“ erklärt Christian Hagelüken. Er ist bei dem Unternehmen Umicore im hessischen Hanau für die Edelmetallscheidung verantwortlich. Genauer gesagt: für  Geschäftsentwicklung im Bereich „Precious Metal Refining“. Dort sammelt der Technologie-Konzern defekte Altgeräte. Die werden zu Tausenden zum Standort Hoboken bei Antwerpen transportiert und da recycelt.

Gold schlummert in Schubläden

Nach dem Entfernen der Akkus werden in metallurgischen Verfahren in einer modernen Anlage 17 Edelmetalle aus den weggeworfenen Telefonen zurückgewonnen – und aus anderen entsorgten Elektrogeräten.

Und das lohnt sich für den Rohstoffmarkt: Ein Handy enthält zwar nur 24 Milligramm Gold. Bei 1,3 Milliarden verkauften Mobiltelefonen allein 2009 wären das rund 31 Tonnen.

Das Problem: Höchstens 10 Prozent aller weltweit verkauften Handys werden gesammelt. Nur ein Bruchteil davon landet in einer geeigneten Recyclingkette.

„Die Geräte liegen oft lange ungenutzt in der Schublade“, sagt Christiane Schnepel. Sie leitet das Fachgebiet ProduktVerantwortung beim Umweltbundesamt. „Sie sollten als Elektro-Altgeräte abgegeben werden.“ Oft aber landen sie im Hausmüll.

Oder sie gelangen auf illegalem Weg in Entwicklungsländer. Wie man dort sogenanntes „Recycling“ praktiziert, hat Christian Hagelüken im indischen Bangalore gesehen.

„Cyanid, das man braucht, um das Gold zurückzugewinnen, wird einfach in die Kanalisation gekippt“, erzählt der Bergbau- und Wirtschaftsingenieur. „Und Quecksilber verdampft häufig über dem Bunsenbrenner unter freiem Himmel.“ Das führt zu erheblichen Emissionen von giftigen Stoffen.

Die Folgen sind katastrophal. Für die Umwelt, für die Gesundheit und für den Ressourcenschutz. Denn viele wertvolle Stoffe gehen beim „Hinterhof-Recycling“ verloren. „Vom Goldanteil werden zum Beispiel nur 25 Prozent zurückgewonnen. Fast alle anderen Metalle gehen verloren.“ Die Umicore-Anlage rettet mehr 95 Prozent des Edelmetalls sowie viele andere Rohstoffe.

Illegale Exporte stärker bekämpfen

Was also tun, damit die kleinen Schätze in umweltschonende Recyclingketten gelangen? Umicore zum Beispiel veranstaltet regelmäßig Sammel-Aktionen für gute Zwecke. Demnächst wollen die Mitarbeiter auch an Schulen herantreten, um dort über das Thema aufzuklären. Laut Hagelüken  stehen auch Politik, Hersteller und Netzbetreiber in der Pflicht: „Illegale Exporte müssen besser kontrolliert und härter bestraft werden.“

Die nächste Herausforderung an die Recycling-Industrie steht in Hanau parat: Dort testet Umicore gerade eine Anlage, die zukünftig Batterien von Elektro-Autos zerlegen und für die optimale  metallurgische Verarbeitung vorbereiten soll.

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