Maschinenbauer bewegt die Welt

Henschel in Kassel rüstet Kraftwerke und die Formel 1 aus

Kassel. Passt alles genau? Laufen die Zahnräder einwandfrei? Sorgfältig prüft Zerspanungsmechaniker Carsten Wanitschka einen großen Schneckenradsatz.

Das robuste Bauteil ist das Herzstück eines Mühlenantriebs und soll später einmal für das gleichmäßige Zerkleinern von Futtermittel sorgen. Wanitschka arbeitet bei dem Traditionsunternehmen Henschel in Kassel, einem international führenden Hersteller von Antriebstechnik in den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau sowie Bahntechnik.

Manufaktur von höchstem Anspruch

„Wo immer in der Welt Getriebe extremen Bedingungen ausgesetzt und rund um die Uhr im Einsatz sind, haben wir eine Lösung“, erklärt Geschäftsführer Michael Tum.

Henschel-Getriebe stecken überall auf der Welt in Lokomotiven, S- und U-Bahnen, in Kühlwasserpumpen von Kraftwerken, den Prüfständen in den Rennställen der Formel 1 sowie in Öl- und Gasbohrtürmen. Sie funktionieren bei 60 Grad Hitze genauso zuverlässig wie bei 60 Grad Kälte.

Zum Kerngeschäft gehören auch Getriebe für die Maschinenbauer in der Kunststoff-Industrie. Bei sogenannten Doppelschnecken- Extrudergetrieben ist Henschel Weltmarktführer.

Für die Branche haben die Kasseler zudem eine Schmelzepumpe mit hervorragenden Alleinstellungsmerkmalen in Puncto Qualität, Energieverbrauch und Ausstoßleistung entwickelt.

Auch in der Luft- und Raumfahrt-Industrie mischen die Spezialisten mit. Die Entwicklungsingenieure arbeiten zum Beispiel an einem Antrieb mit 100.000 Umdrehungen pro Minute für einen Helikopter-Prüfstand.

„Wir verstehen uns weniger als Massenhersteller, sondern eher als Problemlöser und Manufaktur von höchstem Anspruch und zertifizierter Qualität“, betont Tum. Bei all dem zeichnet sich der Betrieb durch eine einzigartige Fertigungstiefe aus und steht so für Made in Germany.

Die Wurzeln des Unternehmens gehen tief in die Geschichte deutscher Industrialisierung zurück. Keimzelle war eine Gießerei, die Georg Christian Carl Henschel 1810 gemeinsam mit seinem Sohn in Kassel gründete.

Schon bald wurden Getriebe und Zahnradsätze für Lkws und Omnibusse produziert. Nach mehreren Eigentümerwechseln übernahm 2006 der Ingenieur und langjährige Henschel-Mitarbeiter Matthias Henke im Rahmen eines Management-Buy-outs den Bereich Industrietechnik vom Weltkonzern Thyssen.

Seitdem hat sich vieles geändert. Konsequent konzentrierte man sich auf Nischen, die innovative Konzepte erfordern. Der Erfolg kann sich sehen lassen: Wurden vor zehn Jahren noch 65 Prozent des Umsatzes in Deutschland gemacht, sind es nunmehr 40 Prozent.


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