Aus der Luft gegriffen

Helium, Argon, Stickstoff & Co. sind in Industrie und Alltag unverzichtbar

Ludwigshafen. Jeder Mensch hat mit ihnen zu tun, oft jeden Tag: Die Rede ist von Industriegasen. Ob in der Chemie-Industrie, Metallverarbeitung, Elektronik- und Lebensmittelbranche oder Wissenschaft: Kaum eine Branche kann auf die unsichtbaren Helfer verzichten. Sie verbessern Prozesse, liefern Energie, sichern Qualität.

Zu den bekanntesten Gasen zählen Stickstoff, Sauerstoff, Wasserstoff, Argon. Und Helium: Mehrere Hunderttausend Kubikmeter davon verlassen im Jahr das Spezialgasewerk von Air Liquide in Ludwigshafen.

Ein Meer von Gasflaschen steht auf dem Gelände bereit. Sie werden geliefert, gereinigt, befüllt und wieder verladen. Luigi Santangelo steht seit sieben Jahren an der Abfüllanlage für Helium. Seine Augen wandern über die Ventile und Dichtungen. „Jeder Handgriff muss sitzen“, sagt er.

Flüssiges Helium ist der kälteste Stoff der Erde

Helium, leichter als Luft, steckt nicht nur in Partyballons. Werkleiter Jürgen Wald: „In der Medizintechnik und Grundlagenforschung ist es unentbehrlich.“ Das Besondere: Der Siedepunkt von Helium liegt bei unvorstellbaren minus 269 Grad Celsius. „Es wird also erst ab dieser Temperatur flüssig“, so Wald. Damit ist flüssiges Helium die kälteste Substanz der Erde. Nur dank dieser Kälte funktionieren zum Beispiel Kernspin-Tomografen, deren starkes Magnetfeld Schnittbilder des Körpers erzeugt. Helium kühlt die metallischen Supraleiter, das stromführende Material verliert seinen elektrischen Widerstand.

In der Stahlbranche wird es als Schutzgas eingesetzt. Es bewahrt die Schweißnaht sowohl vor der Anreicherung von Sauerstoff als auch vor Verunreinigungen und Feuchtigkeit. Und weil das Helium-Atom so winzig ist, wird es auch als „Spürgas“ genutzt: „Man untersucht damit Bauteile auf mögliche Lecks“, so der Fachmann. Etwa in Kraftwerken oder Auto-Klimaanlagen. Hochempfindliche Geräte schlagen bei kleinsten Austritten Alarm.

Große Vorkommen in tiefen Gesteinsschichten

Der Stoff ist aber nur schwer zu gewinnen: „Natürliche Luft enthält nur fünf Teilchen Helium pro einer Million“, sagt Wald. Große Vorkommen schlummern in tiefen Gesteinsschichten und somit in manchen Erdgasvorkommen. Quellen gibt es weltweit wenige, zum Beispiel in Nordafrika, den USA und Katar.

Der Transport ist eine Meisterleistung: Mehrfach isolierte und gekühlte Spezialcontainer halten das Helium flüssig. In Ludwigshafen entnehmen es die Experten nahezu bei Umgebungsdruck. Beim Kunden landet es flüssig oder gasförmig unter hohem Druck. Werkleiter Wald begeistert das Geschäft: „Industriegase haben zwar kein Ferrari-Image“, gibt er zu und lacht. „Dafür kommt man mit vielen unterschiedlichen Branchen in Kontakt. Das macht die Arbeit spannend und abwechslungsreich.“


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