Nothilfe

Helfer mit Herz


Techniker in Afghanistan, Bauleiter in Afrika, Trucker in Rumänien: Was manche Kollegen nebenbei tun

 

 

Würzburg/Augsburg/Kaufering. Die menschliche Hilfsbereitschaft ist groß. Davon erzählt nicht nur die Weihnachtsgeschichte. Im vergangenen Jahr spendete jeder fünfte Deutsche Geld an soziale Einrichtungen wie Hilfsorganisationen und Kirchen – insgesamt mehr als 2 Milliarden Euro.

 

 

 

Viele machen noch mehr: Sie opfern Zeit, Schweiß und Herzblut. Auch Mitarbeiter der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie engagieren sich für ihre Mitmenschen – weltweit. Wir zeigen drei von ihnen.

 

Andreas Ziehr (48) von Brose bringt Zahnarzt-Stühle in ein Krisenland

 

 

Wer geht schon gerne zum Zahnarzt? Tränen fließen dort selten aus Dankbarkeit. Ganz anders ist das in Afghanistan: Ärztliche Hilfe ist dort nicht selbstverständlich.

 

 

 

Dank Andreas Ziehr, Qualitätsmanager des Automobilzulieferers Brose in Würzburg, gibt es in der Stadt Herat nun ärztliche Hilfe für alle. Im Westen des Landes hat er mit der internationalen Hilfsorganisation „Shelter Now“ den Aufbau einer Zahnklinik mit westlichem Standard unterstützt (www.shelter.de).

 

 

 

Täglich werden dort 70 Patienten behandelt. Darunter war auch schon ein afghanischer Minister. Die Kosten hängen vom Einkommen ab. Und abgewiesen wird niemand – auch wenn er gar kein Geld besitzt. Allerdings gilt eine Regel: „Wer ein Handy hat, der kann die Behandlung auch zahlen“, sagt Ziehr.

 

 

 

 

 

 

 

Fünf Zahnarztstühle sind mittlerweile in der Klinik im Einsatz. Sie kommen alle aus bayerischen Praxen, dort hatten sie ausgedient. Der Brose-Mitarbeiter baute die Stühle gemeinsam mit einem Dentaltechniker ab, die Bundeswehr schaffte sie kostenlos nach Afghanistan.

 

 

 

Um die Stühle zusammenzubauen, griff Ziehr auf seine Mechaniker-Kenntnisse zurück. „Das war gar nicht so einfach, von Zahnarztstühlen habe ich keine Ahnung“, erzählt er, „aber schließlich hat es geklappt.“

 

 

 

Mindestens einmal im Jahr nutzt er nach wie vor den Urlaub, um nach Afghanistan zu fliegen. Sein Arbeitgeber unterstützt ihn mit einer Woche Sonderurlaub. Vor drei Jahren gab’s für das Projekt sogar 5.000 Euro aus der Brose-Weihnachtsspende.

 

 

 

Angst hat der zweifache Familienvater in dem Krisenland nicht. „Aber man muss schon vorsichtig sein“, erklärt er. „Ich kleide mich draußen immer wie die Einheimischen.“

 

 

 

Miriam Zerbel

 

Markus Hirschmann (40) von Kuka  errichtet Ferienhäuser in Mosambik

 

 

Markus Hirschmann sorgt dafür, dass die Produktion nicht stockt. Als Logistik-Leiter in der Materialwirtschaft des Augsburger Roboter-Herstellers Kuka kümmert er sich um reibungslose Abläufe. Und genau daran, das weiß er aus Erfahrung, mangelt es oft in Afrika.

 

 

 

In Mosambik hat Hirschmann beim Bau von Touristen-Bungalows geholfen. „Die Einheimischen denken nicht im Voraus“, berichtet er. „Sie arbeiten, bis der letzte Nagel verbraucht ist. Dann warten sie, bis neue gekauft werden.“

 

 

 

An der Küste im Norden des Landes entstanden die Ferienhäuser aus Holz, Lehm und Palmenblättern in traditioneller Bauweise. Fünf Monate packte Hirschmann in Afrika an. Sein Bautrupp bestand aus den Bewohnern des benachbarten Dorfes. „Ich bin gewohnt, dass meine Kollegen selbstständig mitdenken. In Mosambik musste ich den Leuten Schritt für Schritt sagen, was sie tun sollen“, erzählt er.

 

 

 

Ohne Mitwirken des Arbeitgebers, der ihn ein halbes Jahr freistellte, wäre das soziale Engagement des Kuka-Mitarbeiters nicht möglich gewesen. „Auch ohne meine Kollegen wäre es nicht gegangen“, sagt er.

 

 

 

Vor kurzem erst ist Hirschmann zurückgekommen – und schätzt nun fließendes warmes Wasser und eine stabile Internetverbindung mehr als zuvor. Trotzdem sagt er: „Es war eine tolle Erfahrung in einer vollkommen anderen Welt.“

 

 

 

Miriam Zerbel

 

Berthold Heidemann (44) von Hilti liefert Weihnachtsgeschenke nach Rumänien

 

 

Die Vorweihnachtszeit verbringt er eigentlich wie jeder andere, der Familienvater Berthold Heidemann, der beim Werkzeug-Hersteller Hilti in der Prototypen-Entwicklung an der Fräsmaschine steht. Er ist ständig auf Achse, und er bekommt wenig Schlaf. Nach knapp einer Woche hat er dann in der Regel alle Geschenke beisammen. Und hier endet das Gewöhnliche: Sie füllen randvoll einen ganzen Lastwagen.

 

 

 

Heidemann gehört zu den „Weihnachtstruckern“ der Johanniter. Sie bringen nach den Festtagen Lebensmittel-Spenden zu bedürftigen Menschen in Osteuropa. Im Jahr 2010 transportierten 46 Brummis 63.000 Pakete im Wert von 1,5 Millionen Euro (www.johanniter-weihnachtstrucker.de).

 

 

 

„Ich habe 40 Jahre meines Lebens nur an mich gedacht – und irgendwann möchte man auch einmal etwas für andere tun“, erklärt Heidemann, der im Hilti-Werk Kaufering bei Augsburg beschäftigt ist. Ab dem zweiten Weihnachtsfeiertag wird er deshalb seine Frau, den siebenjährigen Sohn und die drei Monate alte Tochter für eine knappe Woche allein unterm Christbaum zurücklassen. Nachdem er alle Geschenke eingesammelt hat, liegen 2.000 Kilometer Fahrt vor ihm: Zum dritten Mal in Folge geht es nach Rumänien; zuvor war er schon in Montenegro und Moldawien.

 

 

 

Meist geht es über Landstraßen oder bessere Feldwege. Auf den Pässen der Karpaten lauern Schneestürme „Da ist die Welt zu Ende“, erzählt der Hilti-Mann. Einmal musste er seinen Truck selbst freischaufeln.

 

 

 

Das Abenteuer fährt immer mit. Die Sehnsucht nach einer warmen Dusche leider auch – ebenso die Gefahr durch Kriminelle. Gehalten wird nur an ausgewählten Orten, nie am Straßenrand. Zwei Fahrer je Lkw wechseln sich ständig ab und stoppen möglichst selten.

 

 

 

Hilti stellt zum fünften Mal den werkeigenen Lkw-Auflieger zur Verfügung, zahlt die gemietete Zugmaschine und finanziert einen Teil des Sprits. Trucker Heidemann ist stolz auf seine Firma. Und garantiert: „Die Hilfe kommt zu 100 Prozent dort an, wo sie hin soll.“

 

 

 

 

 

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