Energie

Heiß, flüssig, extrem spannend


Der Alu-Hersteller Trimet profitiert von zwei Trends – beide drehen sich ums Thema Energie

 

 

Essen. Langsam öffnet sich der haushohe Ofen, gibt den Blick frei auf sein Inneres – die rot glühende Masse da drinnen erinnert an einen feuerspeienden Drachen. Sie ist 800 Grad heiß. So heiß, dass sich Roland Federsel, der Mann am Ofen, mit Alu-Mantel und Spezialhandschuhen gewappnet hat, um eine Probe zu ziehen. Der Gießereiwerker arbeitet bei der Trimet Aluminium AG mit Hauptsitz in Essen. Das Unternehmen produziert im Jahr eine halbe Million Tonnen Alu – und ist damit der größte Hersteller Deutschlands.

 

 

 

Die glühende Masse im Ofen wird später, nach dem Erkalten, als sieben Meter lange runde Pressbolzen das Werk verlassen. Das leichte Metall ist gefragt. Denn Trimet profitiert gleich von zwei Trends, die sich ums Thema Energie drehen.

 

 

 

E-Autos bringen zusätzlichen Schub

 

 

 

Zum einen ist es der Leichtbau in der Autobranche, der den Spritverbrauch senken soll. So machen die Kunden aus dem Alu Getriebegehäuse, Motorblöcke, Karosserie- und Fahrwerksteile.

Durch die E-Mobilität erhält  der Absatz jetzt einen zusätzlichen Schub. Denn vor allem bei Elektroautos kommt es auf jedes Gramm an. Vorstandsvorsitzender Dr. Martin Iffert: „Aluminium statt Stahl spart pro Fertigungsteil 50 Prozent an Gewicht ein.“

 

 

 

Zudem lässt die Energiewende zusätzliche Geschäfte erwarten: Um etwa den Strom der Windräder im Norden zu Industriezentren im Süden und Westen zu bringen, müssen Überlandleitungen mit einer Gesamtlänge von 4.500 Kilometern gebaut werden.

 

 

 

 

 

 

 

Dafür liefert Trimet ebenfalls den passenden Werkstoff. „Alu ist nämlich auch ein guter elektrischer Leiter, wiegt nur wenig und ist deshalb für die Leitungen ideal“, so Iffert. Zudem kämen die Ausrüster von Photovoltaik- und Windkraftanlagen verstärkt auf Trimet zu. „Bei Photovoltaikanlagen etwa benötigen sie Aluminium für ­Solarmodule und Wechselrichtergehäuse.“

 

 

 

Aber auch im Unternehmen selbst ist Energie bei gleichzeitiger Qualitätssteigerung ein Thema. Trimet gehört zu den Großverbrauchern. Iffert: „Allein unsere Essener Alu-Hütte verbraucht so viel Strom wie eine mittelgroße Stadt.“ Die 360 Elektrolysezellen, in denen bei 960 Grad Hitze reines Aluminium entsteht, müssen ständig unter Strom stehen.

 

 

 

 

 

 

 

Um Energie zu sparen, hat Trimet für die Elektrolyse gemeinsam mit einem Partner eine spezielle Messtechnik entwickelt. „So lassen sich Temperatur, Stromfluss und chemische Reaktion in den Zellen optimieren. Das verbessert zugleich die Qualität“, erklärt Ingenieur Klaus Hoffmann, Leiter der Werkstofftechnik. Allein diese Maßnahme senkt den Verbrauch pro Kilo reines Alu um bis zu 5 Prozent.

 

 

 

 

 

 

 

Energieverbrauch um 40 Prozent gesenkt

 

 

 

Noch mehr bringt freilich die grundlegende Modernisierung der heißen Elektroloyse-Hallen. Die Energieersparnis entspricht dem Verbrauch von 5.000 Drei-Personen-Haushalten im Jahr.

Und auch in der Gießerei hat sich einiges getan: So wird von der erzeugten Hitze in den Öfen bis zu 85 Prozent mehrfach genutzt. Dadurch konnte Trimet seinen Energieverbrauch in dieser Abteilung um 40 Prozent herunterfahren und den Kohlendioxid-Ausstoß um 8.900 Tonnen pro Jahr verringern.

Inzwischen hat Gießer Federsel seine Proben genommen: „Flüssigaluminium versetzt mit ­Silizium und Eisen, intern ­Legierung 99,5 genannt“, sagt er. Und zieht Handschuhe und Mantel wieder aus.

 

 

 

Ulrike Wirtz

 

Info: Trimet Aluminium AG

 

 

Das 1985 gegründete Unternehmen Trimet war ursprünglich nur ein Handelshaus für Aluminium. Heute ist es mit einer Jahresproduktion von 500.000 Tonnen der größte Alu-Produzent Deutschlands; 200.000 Tonnen davon sind recyceltes Leichtmetall. Das Unternehmen mit Stammsitz in Essen beschäftigt mehr als 1.900 Mitarbeiter an insgesamt sieben Standorten. Der Umsatz erreichte im Geschäftsjahr 2010/2011 rund 1,4 Milliarden Euro.

 

 

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