Entwicklung

Heilung auf sanfte Art


Carl Zeiss Meditec erspart Brustkrebs-Patientinnen belastende Nachbehandlung

Oberkochen. Diagnose Brustkrebs. Jahr für Jahr sind rund 57.000 Frauen in Deutschland davon betroffen – öfter als von jeder anderen Art der heimtückischen Krankheit Krebs. Was auf die schlimme Nachricht für die Patientinnen folgt, ist in der Regel eine Operation und anschließend eine kräftezehrende und seelisch belastende Nachbehandlung.

Vor allem sind dies Bestrahlungen, mit denen einige Wochen nach der Operation begonnen wird – täglich, bis zu sechs Wochen lang. Das bringt oft schmerzhafte Nebenwirkungen und Erschöpfungszustände mit sich.

Doch jetzt gibt es eine viel schonendere, nicht minder erfolgreiche Behandlungsalternative – mit dem Intrabeam Bestrahlungsgerät, entwickelt und produziert von Carl Zeiss Meditec in Oberkochen (Baden-Württemberg). „Bereits während der Operation wird dabei das Tumorbett, also die unmittelbare Umgebung des Krebsherdes, für eine halbe Stunde bestrahlt“, sagt Dietrich Wolf, Leiter des Geschäftsfeldes Radiotherapie.

Frauen bleibt tägliche Anfahrt erspart

Inzwischen sind weltweit mehr als 150 Intrabeam-Geräte im Einsatz, ein Drittel in Deutschland. „Gut 20 Prozent der Brustkrebszentren hier in Deutschland sind damit ausgestattet“, sagt Wolf.

Zu den Medizinern, die diese Therapie anwenden, zählt Professor Frederik Wenz, Direktor der Universitätsklinik für Strahlentherapie und Radio-Onkologie in Mannheim. „Die Bedeutung für die klinische Anwendung ist enorm“, sagt er. „Vor allem für die Patientinnen bedeutet das Gerät eine deutlich schonendere und kürzere Behandlung.“

Zudem bringe diese finanzielle Einsparungen durch die Verkürzung der Bestrahlungszeit auf die Dauer der OP und weil den Frauen die tägliche Anfahrt über sechs Wochen erspart bleibt.

 

Herzstück des Intrabeam ist eine Röntgenstrahlquelle, die deutlich kleiner ist als herkömmliche Modelle, und die mit viel weniger Energie auskommt. Das mobile Gerät kann von einem OP-Saal zum anderen gefahren werden. Umbauten für den Strahlenschutz sind nicht erforderlich.

Die Investitionskosten für den Anwender liegen weit unter denen, die für eine herkömmliche Anlage inklusive baulichem Strahlenschutz anfallen. Carl-Zeiss-Meditec-Fachmann Wolf: „Deshalb ist Intrabeam auch für Schwellenländer interessant.“

Entscheidend für die Mediziner aber sei vor allem das Resultat einer unabhängigen, internationalen klinischen Studie mit mehr als 2.000 Patientinnen. „Sie belegt, dass die neue Therapie der externen Bestrahlung nicht unterlegen ist“, so Wolf.

Erfolg bei Tumor an der Wirbelsäule

Nicht zuletzt, weil Frauen gezielt danach fragen, würden immer mehr Kliniken auf Intrabeam setzen. Weil das Geschäft seit einiger Zeit stark anzieht, baute Carl Zeiss Meditec Fertigung und Vertrieb aus. Auch an weiteren Anwendungsgebieten wird gearbeitet – beispielsweise bei Magen-, Darm- und Hautkrebs.

Bereits in einer klinischen Pilotstudie ist das Gerät bei der Bestrahlung von Wirbelsäulentumoren. Geschäftsfeldleiter Wolf: „Erste erfolgreiche Studien zeigen vielversprechende Ergebnisse.“

 

 

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