Medizintechnik

Heilen mit neuartigen Wundauflagen aus Silikon


Radeberg. Silikon spritzen – da denkt man an den Handwerker, der die Fugen in der Küche abdichtet. Aber Silikon spritzen im Reinraum? Das gibt’s!

„Wir plotten Auflagen für nässende Wunden“, erklärt Fertigungsleiter Wolfgang Gries, während er, bis über den Kopf in Schutzkleidung verhüllt, mit einem Spezialgerät die Plotter-Anlage auf Schmutzpartikel testet. „Da ist ein Höchstmaß an Sauberkeit unerlässlich.“

Die im sächsischen Raderberg ansässige Firma KET Kunststoff- und Elasttechnik GmbH Liegau Augustusbad (45 Mitarbeiter) bietet hier ein neues Produkt – und raffinierte Technik: Leise schnurrt der Maschinenarm mit der Düse über die mit Teflon beschichtete Wärmeplatte, legt unermüdlich Strang um Strang, am Ende ist es eine perfekte Gitterstruktur.

Wie die herkömmliche Wundauflage aus beschichteten Textilien schützt auch die Silikon-Variante vor dem Eindringen von Fremdkörpern, und durch ausreichend große Poren leitet sie Blut und Wundsekret ab. Aber: „Sie verklebt nicht mit der Wunde, da Silikon feuchtigkeitsabweisend ist“, erklärt Gries. „Zudem ist das Gitter transparent – der Arzt sieht beim Verbandwechsel, wie sich die Heilung entwickelt, ohne das nachwachsende Gewebe zu gefährden.“ Überdies sei die Silikon-Auflage preiswerter.

Bevor das Gewebe in die Fachgeschäfte und in die Krankenhäuser kommt, wird es bei einem Dienstleister noch sterilisiert. „Es ist eine patentierte Eigenentwicklung“, berichtet der Geschäftsführer Gunter Böttcher.

Rund 10.000 Quadrat­meter pro Jahr können die Radeberger in ihrem 70 Quadratmeter großen Reinraum fertigen. Für den Fall, dass der Markt mehr verlangt, ist der zweite Reinraum bereits in der Planung. „Erste Lieferverträge sind geschlossen, weitere in Vorbereitung“, berichtet Böttcher.

Mit der hochpräzisen Technik des Silikonplottens lassen sich zum Beispiel auch Nährböden für die Biotechnologie herstellen

KET Liegau produziert auf unterschiedlichen Spritzgießmaschinen eine große Bandbreite an Silikon-, Gummi- und Kunststoff-Teilen: für die Medizintechnik, aber auch für Maschinenbau und Hochspannungsanwendungen. Das Silikonplotten könnte noch mehr Geschäft bringen – denn es lassen sich damit zum Beispiel auch Nährböden für die Biotechnologie herstellen. Oder auch rutschfeste Griffe für Sportbögen, mit denen der passionierte Bogenschütze Böttcher einen Teil seiner raren Freizeit verbringt.

Das Unternehmen produziert vor allem kundenbezogene Serien in unterschiedlichen Stückzahlen. Um da rentabel zu arbeiten, ist ein hohes Maß an Flexibilität und Schnelligkeit nötig. „Jeder Mitarbeiter beherrscht mehrere Maschinen, das Umrüsten der Anlagen ist tägliche Übung“, betont Böttcher. Die Firma hat einen eigenen Werkzeugbau. Und eine vierköpfige Entwicklungsabteilung – Böttcher hat sie 13 Jahre lang geleitet und dabei mit Unis und Instituten gute Kooperationen aufgebaut.

Marktfähige Ideen hat KET noch in großer Zahl. Um sie alle in Produkte umzusetzen, fehlt es der kleinen Firma aber an Finanzkraft. „Mit den richtigen Partnern“, meint Böttcher, „ließe sich da noch einiges machen.“

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