Weniger Schäden für Supermärkte

Heavy Metal gegen Diebe: Die Firma Röttgers legt Einkaufswagen an die Kette

Iserlohn. 20 Millionen Einkaufswagen rollen durch Deutschlands Supermärkte: Und jeder 20. wird „entführt“, schätzt der Einzelhandelsverband. Dass es nicht noch mehr sind, dafür sorgt unter anderem die Firma Röttgers in Iserlohn. Sie legt die rollenden Einkaufshelfer an die Kette.

In der traditionsreichen Kettenschmiede in der Iserlohner Grüne wird dafür 3,8 oder 4 Millimeter dicker, nicht rostender Draht geschnitten, gebogen, zum Kettenstrang zusammengefügt, verschweißt und auf Länge gebracht. „Weit über 100.000 Stück sind es im Jahr“, sagt Geschäftsführer Peter Röttgers.

Schon seit 30 Jahren gibt es die Einkaufswagenketten

Unablässig rasseln die Ketten am Ende in den Rollfässern gegeneinander, um den letzten Schliff zu erhalten. „Einkaufswagenketten müssen absolut gratfrei sein, weil sie permanent in die Hand genommen werden“, erklärt der Chef. Die Sperrketten für Einkaufswagen wurden in den 80er-Jahren eingeführt. Dieses Geschäft ist ein gutes, aber längst nicht das einzige Standbein des Unternehmens. „Wir sind breit aufgestellt. Unser größter Kunde macht nicht mehr als 7 Prozent aus“, so Röttgers, der die Firma in dritter Generation führt. Sein Großonkel stieg 1919 ins Kettengeschäft ein.

Die Kuhketten von einst sind qualitativ anspruchsvollen Produkten gewichen. Schaukelketten für Spielplätze gehören ebenso dazu wie Transportketten für die Futtermittel- und Nahrungsindustrie oder Pumpenketten für den Unterwassereinsatz.

„Wir haben uns auf Spezialitäten konzentriert“, sagt Röttgers. Der „Kettensack-Dredge“ ist auch so eine: Forschungsschiffe wie die „Polarstern“ nutzen dieses sackartige Kettensystem, um Gesteinsproben vom Meeresboden aufzunehmen.

Rund 1.800 Tonnen Draht verarbeiten die Sauerländer pro Jahr. Auch kleine Stückzahlen können gefertigt werden. Um noch mehr Service bieten zu können, investiert das Unternehmen gerade 1,5 Millionen Euro in eine Härterei. Nicht für die Einkaufswagenketten, die erfüllen auch ohne Wärmebehandlung ihren Zweck.

Gehärtet werden die hochwertigen Ketten für extreme Anforderungen. „Transportketten zum Beispiel, die permanent in Bewegung sind, müssen besonders verschleißfest sein“, sagt Röttgers. „Wir sehen, dass dieser Bereich wächst.“ Bislang sind die Ketten zur Wärmebehandlung rausgegangen – die Härterei im eigenen Betrieb ist flexibler und kostengünstiger.

In dem Familienunternehmen, wo neben Peter Röttgers auch sein Cousin und sein Schwager engagiert sind, geht nun die vierte Generation an den Start: Röttgers’ Sohn Max steigt als Produktionsleiter ein.


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