Innovationen

Hauswände als Katalysator


Dicke Luft: Die Hauptzufahrtsstraßen zur Stuttgarter Innenstadt, vom Verkehrsknoten „Pragsattel“ in Richtung Zuffenhausen. Foto: dpa

Fassadenfarbe sorgt für frische Luft

Stühlingen. Ruß, Abgase, Feinstaub: Viele Städte kämpfen gegen „dicke Luft“. In den heißen Sommermonaten sind Ozon- und Smog-Alarm nicht selten. Dann wird es in den Häuserschluchten besonders stickig.

Im Kampf gegen Luftverschmutzung hilft jetzt eine spezielle Farbe: Sie baut die Schadgase ab und wandelt sie in unschädliche Stoffe um.

Die raffinierte Entwicklung des Fassadenspezialisten Sto aus Stühlingen im Schwarzwald wirkt wie ein Kat im Auto. In der Farbe dienen Titandioxid-Pigmente als Katalysator; an sie heften sich die Schadstoffe. So wandelt die Farbe Stickoxide und Ozon um, es entstehen Sauerstoff und Nitrate. Die sind ungiftig und leicht löslich.

Der Clou: Die Sonne liefert die notwendige Energie für die Reaktion. Solange Licht da ist, läuft die sogenannte Photo-katalyse. „Durch Licht werden am Katalysator elektrische Ladungen verschoben und die Schadstoffe zersetzt“, erklärt Andreas Weier, Entwicklungschef bei Sto. „Nach der Reaktion kehrt das Titandioxid wieder in seinen Ausgangszustand zurück.“ Der Katalysator verbraucht sich also nicht.

Einsatz in Freiburg und in Teheran

Vier Jahre tüftelten die Badener an dem neuen Produkt. „Das Prinzip der Photokatalyse ist seit langem bekannt“, sagt Weier.

Genutzt wird es beispielsweise schon für die Wasserreinigung oder selbst reinigende Glasscheiben. Dass der Anstrich tatsächlich die Luft verbessert, zeigte ein Feldversuch der Karlsruher Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz.

Nun soll die Farbe in belasteten Ballungs- und Industriegebieten zum Einsatz kommen, zum Beispiel: Häuser an stark befahrenen Straßen, Brücken, Lärmschutzwände oder Parkhäuser lassen sich damit behandeln, aber auch Fabriken oder Schornsteine.

In Teheran (Iran) wurden bereits ein Hotel und zwei Brücken mit der Spezialfarbe beschichtet. „Im Stadtgebiet gibt es gut 280 Kilometer Autobahn und sieben Millionen Kraftfahrzeuge“, so Produktmanager Johannes Müller.

Auch in Freiburg und im hessischen Kriftel werden Projekte realisiert.

GKW

Infos unter: www.sto.de

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