„Das geht auch bei uns“

Hausgeräte-Industrie: Electrostar holt Produktion aus China zurück

Vor über 90 Jahren hat das schwäbische Traditionsunternehmen Electrostar den elektrischen Händetrockner erfunden. Nun verlagert es die Produktion der Geräte aus China wieder an den Stammsitz in Reichenbach bei Stuttgart.

Produktion: Rund 130.000 Staubsauger verlassen jedes Jahr das Werk. Foto: Mierendorf

Produktion: Rund 130.000 Staubsauger verlassen jedes Jahr das Werk. Foto: Mierendorf

Historie: Roman Gorovoy zeigt die erste Generation an Händetrocknern. Foto: Mierendorf

Historie: Roman Gorovoy zeigt die erste Generation an Händetrocknern. Foto: Mierendorf

Reichenbach/Fils. Orange, grüne oder graue Kunststoffgehäuse wandern von Montageplatz zu Montageplatz: Spätestens nach einer Viertelstunde ist wieder ein Staubsauger fertig. Pro Jahr verlassen rund 130.000 Geräte das Electrostar-Werk in Reichenbach an der Fils. Bald sollen Händetrockner dazukommen.

Damit wagt Geschäftsführer Roman Gorovoy einen mutigen Schritt: Während viele Unternehmen ihre Produktion nach Fernost verlagern, holt er sie zurück. Künftig werden die Händetrockner statt in China wieder südöstlich von Stuttgart gefertigt. „Für die relativ geringen Stückzahlen und hohe Variantenvielfalt lohnt sich die Herstellung in China gar nicht“, stellt Gorovoy fest.

Stattdessen will er nun lieber mit dem Qualitätsmerkmal „made in Germany“ werben. Denn mit der heimischen Produktion startet Electrostar auch eine neue Trockner-Serie, die in Reichenbach komplett neu entwickelt wurde.

Firmengründer erfand im Jahr 1925 den elektrischen Händetrockner

Mit beiden Hauptprodukten kehrt das Traditionsunternehmen zu seinen Wurzeln zurück: 1921 war Firmengründer Robert Schöttle einer der ersten Staubsaugerfabrikanten Deutschlands. Vier Jahre später erfand er den elektrischen Händetrockner.

Electrostar konzentriert sich nun auf Unternehmenskunden. Die Profi-Staubsauger gehen nur an Handwerker, Hotels oder Reinigungsfirmen, Hände- und Haartrockner sind in öffentlichen Waschräumen, Bädern und Hotels im Einsatz. Dabei waren die Reichenbacher einst vor allem bei der deutschen Hausfrau berühmt: Der „Starmix“ war zum Beispiel die begehrteste Küchenmaschine im Wirtschaftswunder-Deutschland: Sie knetete, rührte und hackte. Doch davon hat sich Electrostar bis auf den Markennamen ganz verabschiedet.

„Wir waren bei Geräten für Konsumenten nicht mehr konkurrenzfähig“, erklärt der 34-jährige Firmenchef, der vor neun Jahren nach Schwaben kam. Seine Familie, die in Russland mehrere Unternehmen betreibt, übernahm damals Electrostar und bewahrte es vor der Pleite. Jetzt geht es stetig aufwärts: Die Zahl der Beschäftigten in Reichenbach stieg von 94 auf 125 Mitarbeiter. Und das soll so weitergehen, auch dank der Händetrockner.


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