Fachkräftemangel

Harte Zeiten für Personalchefs


Für KraussMaffei Berstorff hat die gute Konjunktur auch Schattenseiten

Kalt ist es in der sibirischen Stadt Yakutsk, sehr kalt. Temperaturen von minus 50 Grad sind keine Seltenheit. Dennoch hat sich hier, in der kältesten von Menschen bewohnten Region der Welt,  eine moderne Infrastruktur entwickelt.

Damit sie nicht vom Frost zerstört wird, sind außergewöhnliche Dämmstoffplatten gefragt, die Straßen und Gebäude, aber auch Erdöl- und Gasleitungen vor den extremen Minusgraden schützen.

Solche Platten sind nur unter höchsten Ansprüchen herzustellen – Fachleute sprechen von der „Königsdisziplin“ in der sogenannten Schaumextrusion. Weltmarktführer bei den Anlagen, mit denen diese Dämmstoffplatten hergesgetellt werden, ist die KraussMaffei Berstorff GmbH in Hannover, ein Tochterunternehmen der Münchner KraussMaffei-Gruppe.

Im letzten Jahr 50 neue Mitarbeiter

Die Konjunktur in der Branche boomt. Im vergangenen Geschäftsjahr übertraf der Auftragseingang erstmals die Marke von 1 Milliarde Euro. Der Konzern (4.000 Beschäftigte weltweit)  schafft  nicht  nur neue Umsatzrekorde, sondern auch Arbeitsplätze.

Zum Beispiel die Tochtergesellschaft KraussMaffei Berstorff in Hannover (600 Beschäftigte): In den letzten drei Jahren wuchs die Belegschaft jeweils um 10 Prozent.

Allein im vergangenen Jahr kamen mehr als 50 neue Mitarbeiter hinzu. Jeder fünfte ist Ingenieur. Sie forschen im Technikum, machen Tests und Versuche. „Hier werden Ideen geboren, Visionen entwickelt. Das ist die Grundlage für eine sichere Maschinenauslegung“, so Personalleiter Edmund Schulz.

Doch die gute Branchen-Konjunktur und der Beschäftigungsaufbau schaffen auch Probleme. „Unseren Facharbeiterbedarf“, so Schulz, „können wir über den regionalen Arbeitsmarkt recht gut abdecken. Sorgen bereiten uns allerdings die Ingenieure, denn bei ihnen ist der Markt in der Groß-Region Hannover so gut wie leergefegt.“

Bei KraussMaffei Berstorff sind zurzeit zehn Ingenieur- stellen unbesetzt, teilweise schon länger als ein halbes Jahr. Betroffen sind in erster Linie die Fachrichtungen Konstruktion, Entwicklung und Verfahrenstechnik.

Mit Zeitarbeit über die Runden

„Bis jetzt“, so Schulz,  „hat das noch keine Auswirkungen auf die Auftragsannahme, allerdings kommen unsere Mitarbeiter langsam an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit.“

Auch die Bemühungen, gezielt ältere Ingenieure über 50 anzusprechen, hat die Lücke nicht schließen können.

Deshalb beschäftigt KraussMaffei Berstorff verstärkt Zeitarbeitnehmer. „Ohne sie“, so Schulz, „würden Produktion und Kundenbetreuung leiden.“

Über die Zeitarbeit werden vorrangig gewerbliche Mitarbeiter sowie technische Angestellte und letztlich auch Ingenieure beschäftigt.

Günstiger als Festangestellte, wie häufig von Kritikern angeführt wird, sind sie fürs Unternehmen nicht. „Lohnkostenvorteile gibt es so gut wie keine – vor allem nicht bei Ingenieuren“, berichtet Schulz.

Mit Ausbildung gegensteuern

Sind die Leute gut, versucht Schulz sie möglichst fest anzustellen. „Die Erfahrung zeigt uns allerdings immer wieder“, so der Personalchef, „dass manche gar keine Festanstellung wollen.“

Das Unternehmen muss daher gegensteuern. Seit Jahren bildet der Betrieb aus. Insgesamt 27 junge Menschen absolvieren aktuell eine Ausbildung. „Es sind vor allem unsere qualifizierten Mitarbeiter“, sagt Schulz, „deren Talente wir gezielt fördern, und die letztlich unsere Wettbewerbsfähigkeit sichern.“ 

Werner Fricke

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