Konjunktur

Harte Jungs mit heißen Jobs


Gute Zeiten, schlechte Zeiten: Diesmal ist die Gießerei Hundt & Weber auf eine Flaute vorbereitet

Siegen. Die lange, auf Hochglanz polierte Rinne könnte eine schöne Rutsche abgeben. Nur kostet das Teil aus massivem Kupfer mehrere Zehntausend Euro. Und es ist ein Einzelstück. Bald wird glühende Schlacke aus einem Hochofen darüber fließen. „So eine Kühlrinne machen wir vielleicht alle zehn Jahre“, sagt Björn Nüs, stellvertretender  technischer Leiter der Siegener Firma  Hundt & Weber.

Die 140 Mitarbeiter des Unternehmens gießen und bearbeiten Kühlrinnen, Kugellager-Ringe, Propeller-Gehäuse und andere Bauelemente aus Kupfer und Kupfer-Legierungen. Die Erzeugnisse gehen an die Stahlindustrie, den Schiffs- und Maschinenbau, kommen in  Windrädern und Wasserkraftwerken zum Einsatz. Meist handelt es sich um Einzelstücke und  kleine Serien.

 

Trotz Wirtschaftskrise  steht die Buntmetallgießerei recht gut da. Die Aufträge reichen noch bis etwa Mitte 2009, sagt Geschäftsführer Rüdiger Heinke. Zwar schwächeln einige Abnehmer-Branchen wie der Schiffs- und Stahlbau. Doch  andererseits dürfte der Bau neuer Windkraft-Anlagen auf offener See frischen Wind ins Geschäft bringen: Salzwasser kann den Buntmetallgussteilen in den Windrädern

nämlich  wenig  anhaben.

 

Vor vier Jahren drohte das Aus

Dass der Familienbetrieb gelassen nach vorn blickt, liegt auch daran, dass er krisenerprobt ist.  Nur vier Jahre ist es her, als er vor dem Aus stand. Gründe: zu wenig Aufträge und Managementfehler. „Ein Jahr lang haben wir alle mit den Zähnen geklappert“, erinnert sich der Betriebsratsvorsitzende Rainer Otto, der hier seit 1995 als Rohrbieger arbeitet. Rund 40 von 140 Mitarbeitern mussten gehen.

 

2005 gelang der Neustart unter dem Dach der Saar-Metall-Gruppe. Nach der Übernahme legte sie ihre drei Gießereien zusammen und stärkte den Siegener Standort. Jetzt hat der Be­trieb wieder 140 Mitarbeiter. Doch viele der Neu- und Wiedereingestellten hätten be­fristete Verträge. Sie würden von einer Absatzflaute als erste betroffen sein, befürchtet Otto.

Für solche Zeiten ist Hundt & Weber jetzt aber gewappnet.  „Wir machen heute mit der gleichen Mannschaftsstärke fast den dreifachen Umsatz“, so Heinke, der Hundt&Weber zusammen mit Armin Ballier seit 2005 leitet. Die Saar-Metall-Gruppe hat ihrer neuen Tochter den Zugang zu den internationalen Märkten geöffnet.

Bei der Ausbildung wird nicht gespart

Nicht nur das: Die gesamte Fertigung kam auf den Prüfstand. Unrentable Produkte wurden gestrichen. Und neue ins Programm aufgenommen. Künftig wollen die Siegener auch Ringe mit bis zu drei Metern Durchmesser herstellen, was Arbeitsplätze sichern hilft.

Die Ringe finden etwa Verwendung in Tunnelvortriebsmaschinen. Für die Rettung des Betriebs hatten die Mitarbeiter  damals der Einführung der 40-Stunden-Woche zugestimmt. Das  werde wohl noch eine Weile  so  bleiben, meint Betriebsrat Otto. Immerhin gibt es noch gut zu tun: „Nur ein paar Kollegen bauen im Moment ihre Arbeitszeitkonten ab“, sagt er. Auch bei der Aus- und Weiterbildung werde nicht gespart, denn: „Gießereifachkräfte findet man nicht an jeder Ecke.“

Matilda Jordanova-Duda

 

Info: Hundt & Weber GmbH

Die Buntmetallgießerei in Siegen hat 140 Mitarbeiter, da­runter neun Auszubildende. Hundt & Weber setzte im letzten Jahr rund 23 Millionen Euro um. Jeden vierten Euro brachte das Auslandsgeschäft. Der Betrieb ist das umsatzstärkste Unternehmen der Saar-Metall-Gruppe, die sich in Familienbesitz befindet.

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