Arbeitswelt

Harte Jobs, klasse Klima


Bei Dirostahl wird mit martialischer Technik malocht. Auch am Wochenende. Ist das gute Arbeit?

Remscheid. Gerade noch  war er im Ofen, der glühende Klumpen am Boden. Jetzt kommt ein grünes Monster auf vier Rädern, nimmt das tonnenschwere Teil mit seiner gewaltigen Zange – und schiebt es in die Öffnung eines dampfenden Urviechs. Polternd fällt dessen Hammer. Danach ist der stählerne Rohling ein bisschen platter.

Hier bei der Karl Diederichs KG (Markenname: „Dirostahl“) in Remscheid nordöstlich von Köln walten rohe Kräfte. Und mittendrin huscht Sven Kisters (27) hin und her. Der Schmied gibt dem Mann auf dem Monster, ein sogenannter Manipulator,  Zeichen, damit er mit seiner heißen Ware präzise rangiert. Nach zig ohrenbetäubenden Schlägen ist die Platte in Form gebracht – und der schwitzende  Kisters kontrolliert die Maße.

Der junge Mann ist Schmied. Kein Traumberuf. Und doch ist Kisters zufrieden: „Es macht Spaß, in dem Laden zu arbeiten.“ Der brummt wie nie, die Achsen, Ringe und Lochscheiben für den Maschinenbau verkaufen sich gut. Die Mannschaft leistet Überstunden, auch am Wochenende. Kisters zieht da gern mit: „Schließlich bekomme ich jede zusätzliche Stunde bezahlt.“

Seit sieben Jahren arbeitet er in der Metallfirma. Zuvor war er am Bau tätig, verlor seinen Job, heuerte bei Dirostahl an – und konnte hier eine Lehre zum Schmied absolvieren. Nächstes Jahr beginnt er eine Fortbildung zum Industriemeister.

Europameister im Jammern

Menschen wie Kisters, die in ihrem Job aufgehen, scheinen in Deutschland vom Aussterben bedroht, glaubt man einer neuen Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Demnach sind gerade einmal 13 Prozent aller Beschäftigten mit ihrem Arbeitsplatz rundum zufrieden. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) bewerten ihre Arbeitsbedingungen als mittelmäßig. Der Rest gibt den Betrieben schlechte Noten.

In die gleiche Kerbe schlägt auch eine neue EU-Studie. Danach sind die Deutschen wenigstens beim Jammern Europameister. 68 Prozent glauben, das Leben sei in 20 Jahren schlechter. Im EU-Schnitt sind es nur 49 Prozent. Doch die Umfragen haben ihre Tücken.

Beispiel DGB-Studie: Schon das konsequente Ankreuzen der zweitbesten Antwort führt automatisch zur Halbierung der Punktezahl und so zu „mittelmäßiger Arbeit“. Ein Grund dafür, dass die Arbeitgeber so schlecht abschneiden.

Dass die Stimmung angeblich auch in Deutschlands wichtigstem Industriezweig Metall und Elektro so mies ist, können Experten kaum glauben. Schließlich hat die Branche allein in den letzten beiden Jahren 220.000 neue Vollzeitstellen geschaffen. Nur 6 Prozent der Metaller sind Zeitarbeitnehmer; mehr als 90 Prozent haben laut Betriebspanel 2007 des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung einen unbefristeten Vertrag als Stamm-kraft und arbeiten ganztags.

Das will überhaupt nicht zu der Feststellung des DGB passen, dass jeder zweite Arbeitnehmer unter unsicheren Bedingungen arbeitet. Kenner der M+E-Branche verwundert es deshalb nicht, dass eine Umfrage der „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ (INQA 2007) im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums zu ganz anderen Ergebnissen kommt.

Mehrheit stolz auf ihre Arbeit

Laut dieser Studie sind 76 Prozent der Beschäftigten im Maschinenbau und 79 Prozent in der Auto-Industrie mit ihrer Arbeit zufrieden. „Stolz auf ihre Arbeit“ sind  62 beziehungsweise 70 Prozent. Über alle M+E-Branchen hinweg äußern 70 Prozent, dass ihre Tätigkeit an-erkannt werde, beklagen aber auch zunehmenden Stress.

So ergeht es auch dem Schmied Kisters, der jetzt wieder Überstunden schiebt. Er sieht das pragmatisch: „Vom Aufschwung haben wir alle was. Wenn es regnet, musst du den Löffel raushalten.“ Diese Einstellung zahlt sich aus: 2008 winkt der Belegschaft erneut eine Sonderprämie.

Wilfried Hennes

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