Unternehmen

Harte Arbeit


Nach der Insolvenz: Die Gießerei Franken Guss schafft den Neubeginn

Kitzingen. Mit glühendem Eisen kennen sich die Kitzinger aus. Die unterfränkische Kleinstadt beheimatet seit 1922 ihr Gusswerk, das in der Hochkonjunktur noch mehr als 800 Mitarbeiter beschäftigte und MTK hieß. Doch dann kam mit dem Herbst 2008 die Krise. Und gut ein halbes Jahr später die Insolvenz.

„Wir hatten mehr als die Hälfte unserer Aufträge verloren“, erzählt Josef Ramthun, ehemaliger Geschäftsführer von MTK. Damit ein Neustart möglich werden konnte, überzeugte er damals Banken, Gläubiger und die Arbeitnehmerseite, sorgte für die Finanzierung – und übernahm den Betrieb gleich selbst.

Umsatz wieder bei 70 Prozent

„Es war ein Ritt auf der Rasierklinge – und zwei Monate mit schlaflosen Nächten“, erinnert sich Ramthun. Zum 1. Juli 2009 bekam das Unternehmen dann den neuen Namen Franken Guss, einen neuen Inhaber und eine neue Geschäftsstrategie. „So konnten wir 420 neue Arbeitsplätze schaffen, die Ausbildung fortführen und damit auch der Region eine Perspektive geben“, sagt der alte und neue Chef.

Mittlerweile hat sich die wirtschaftliche Lage der Gießerei stabilisiert. Der Umsatz liegt wieder bei 70 Prozent des Niveaus vor der Krise. Und das Unternehmen schreibt schwarze Zahlen.

„Der Start ist geglückt“, sagt Ramthun. Aber es liegt noch ein hartes Stück Arbeit vor ihm und seinen Mitarbeitern. Der Gesellschafter von Franken Guss will das Unternehmen neu ausrichten und so krisenfest machen. Bislang stellen die Mitarbeiter in Kitzingen Gussteile aus Eisen und Aluminium für die Automobil-Industrie und den Maschinenbau her. Die ZF Gruppe ist mit Abstand der wichtigste Abnehmer. Aber auch Daimler, Audi, VW und die Schaeffler-Gruppe sind bedeutende Kunden.

Flugzeugsitze und Backofentüren

„Das soll so bleiben“, sagt Ramthun. Weitere Kunden hinzugewinnen will er trotzdem. „Wir werden nicht mehr allein Bauteile herstellen, die wir schon gut können“, kündigt er deshalb an. „Wir müssen unabhängiger und flexibler werden: mit neuen Produkten für neue Branchen.“ Nur so sieht er für den Betrieb mit bewegter Vergangenheit auch eine sichere Zukunft.

Franken Guss könnte etwa in der Luftfahrtindustrie Fuß fassen, hofft Ramthun. Zum Beispiel mit leichten Alu-Teilen für Flugzeugsitze. Auch in der Herstellung von Backofentüren sieht er Potenzial. Vieles sei denkbar.

Der Chef vertraut darauf, dass seine Mitarbeiter neue Wege mitgehen. „Dieser Standort hat Substanz und eine tolle Belegschaft“, sagt er. „Wenn ein Neustart hier nicht klappt, wo dann?“

Ramthun setzt auf die Zukunft seiner Gießerei, „weil hier noch immer das Herz schlägt.“

Michael Stark

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