Integration

Handicap ist kein Hindernis


Wie bei Audi Arbeitsplätze für Behinderte entstehen

Ingolstadt. Die Freude an der Arbeit ist ihm anzusehen: Gut gelaunt steuert Thomas Leibhardt den Gabelstapler durch die Halle. Er ist stolz auf seinen Beruf: Logistik-Fachkraft. Das geht. Auch wenn Leibhardt von Geburt an mit einem Herzfehler und einer Schädeldeformität schwerbehindert ist.

Bei Audi ist er kein Einzelfall.

2033 Menschen mit Behinderung arbeiten im Automobilkonzern. Mit 5,3 Prozent liegt die Beschäftigungsquote höher als gesetzlich vorgeschrieben. Für sein Engagement erhielt Audi im vergangenen Dezember den Integrationspreis „Joberfolg 2007 – Menschen mit Behinderung am Arbeitsplatz“.

Elisabeth Prosch ist Vertrauensperson für schwerbehinderte Menschen bei Audi. Aus ihrer Sicht ist ein Grund für die sehr gute Integration im Unternehmen auch der „Runde Tisch“. Hier treffen sich seit 2004 regelmäßig Vertreter von Personalwesen, Betriebsrat, Schwerbehindertenvertretung und Sozialbetreuung sowie der Betriebsarzt. Unter anderem geht es darum, gezielt Stellen für Behinderte zu schaffen.

Der Job soll genau zum Menschen passen

„Unser Bestreben ist es, behinderte Menschen nicht an den Rand zu drängen, sondern zu integrieren“, unterstreicht Werner Widuckel, Personalvorstand der Audi AG. „Hierbei wirken alle verantwortlichen Bereiche zusammen.“ Beispiel: Nach einem Schlaganfall kehrt ein Mitarbeiter zurück – dann wird gemeinsam nach einer passenden Aufgabe gesucht. Ein EDV-System hilft dabei: Alle Arbeitsplätze in der Fahrzeugfertigung sind im Detail erfasst. Angezeigt wird dabei auch, ob sich die Stellen bei Leistungseinschränkungen der Mitarbeiter eignen.

„Manche Arbeitsplätze richten wir völlig neu ein“, erläutert Thomas Neuhaus, Personalleiter der A3- und TT-Fertigung. Eine öffentliche Einrichtung, das Integrationsamt, entscheidet dann über die finanzielle Förderung.

Entsteht zum Beispiel ein Fertigungsabschnitt, der Jobs für Behinderte bietet, können Förderleistungen von mehreren Hunderttausend Euro genehmigt werden. Auch kleinere Umbauten, etwa die Umstellung einer Maschine von rechts- auf linkshändige Bedienung, werden unterstützt.

In eine ganz normale Azubi-Klasse integriert „Behinderte Menschen sind bei uns überall im Einsatz“, erklärt  Neuhaus. Zum Beispiel bei der Verpackung und dem Versand einzelner Bauteile ins Ausland.

Hier arbeitet Thomas Leibhardt: „Ich war bei der Ausbildung in eine ganz normale Klasse integriert. Wir waren in den Praxisphasen im ganzen Werk unterwegs, alle acht Wochen in einer anderen Abteilung. Das fand ich sehr spannend.“

Christine Arnold

 

Leichter zum Job

Die gute wirtschaftliche Entwicklung verbessert auch für behinderte Menschen die Situation auf dem Arbeitsmarkt. So ist die Arbeitslosenquote dieser Gruppe in Bayern im Lauf des Jahres 2007 um 16,2 Prozent gesunken.

Unternehmen mit 20 und mehr Mitarbeitern sind per Gesetz angehalten, mindestens 5 Prozent der Arbeitsplätze an Schwerbehinderte zu vergeben. Wer diese Pflicht nicht erfüllt, muss eine Ausgleichsabgabe zahlen. Wie ein Unternehmen Arbeitsplätze für behinderte Menschen schaffen kann, lesen Sie im Artikel unten.

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