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Gute Laune am Kap


Bayerische Firmen entdecken vor der WM Südafrika

München/Pretoria. Lautstark und farbenfroh feiern sie ihren Beitrag zum Sportereignis des Jahres: Einige Arbeiter des MAN-Werks nahe Johannesburg. Für die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika haben sie unter anderem den „People’s Bus“ gebaut.

Er soll mit einem Mini-Kino und zwei Kickertischen das Ereignis näher zu den Menschen am Kap bringen, nämlich in 60 Städte und Gemeinden.

Außerdem werden 110 Überlandbusse des Münchner Herstellers von Nutzfahrzeugen, Dieselmotoren und Turbomaschinen zunächst Fans zu den Stadien kutschieren, später dann Einheimische von Stadt zu Stadt.

Massiver Ausbau der Infrastruktur

Denn das Spektakel soll für die Südafrikaner auch dann noch ein Gewinn sein, wenn die Gäste längst nach Hause zurückgekehrt sein werden. Umgerechnet etwa 70 Milliarden Euro hat das Land in die zuvor teils marode Infrastruktur gesteckt. Das ließ auch die Geschäfte bayerischer Metall- und Elektro-Unternehmen schon lange vor dem ersten Anstoß rundlaufen.

So ist das WM-Gastgeberland seit Jahren einer der wichtigsten Handelspartner in Afrika. Der Export ging 2009 aber angesichts der Wirtschaftskrise um 15 Prozent zurück. Investitionsbedarf gab es trotzdem reichlich, zum Beispiel im öffentlichen Nahverkehr. So hat ZF Sachs in Schweinfurt 700 Stoßdämpfer beigesteuert, unter anderem für die MAN-Busse.

Für bessere Schienenverbindungen soll der neue „Gautrain“ sorgen, ein Hochgeschwindigkeitszug für Pendler. An den neuen Bahnhöfen zwischen Johannesburg und Pretoria leuchten Osram-Produkte. Die Energiesparlampen des Münchner Konzerns erhellen auch einige Schnellstraßen und drei Flughäfen im Land.

Sicherer und sparsamer Energie-Einsatz

„Ein einzigartiges Bauwerk aber ist das Stadion in Durban“, schwärmt Florian Hockel. Der Osram-Ingenieur für Anwendungstechnik war für den Lichtbogen zuständig. „Was wir sonst vermeiden, war hier gerade nötig: die Leuchten und ihre Steuerungen zu trennen.“

Um Überhitzungen unter Afrikas Dauersonne zu vermeiden, verlagerten Hockel und Kollegen des südafrikanischen Leuchtenherstellers Beka die Elektronik in den Wartungsschacht des Lichtbogens. Er spannt sich in 104 Metern Höhe stolze 350 Meter weit über das Fußballfeld.

Auch wenn die Lichtskulptur begehbar ist: Ausgetauscht werden die 15.000 LEDs der 400 Leuchten selten, weil sie achtmal länger halten als herkömmliches Flutlicht. Dabei benötigen sie bei

gleicher Intensität ein Fünftel weniger Strom.

Energie zuverlässig, aber möglichst sparsam einzusetzen, das ist ein Trend, den auch Siemens bedient. Aufträge für rund 1 Milliarde Euro konnte der Konzern im Zuge der WM verbuchen, 80 Prozent davon Energie-Projekte.

Wachsender Strombedarf, steigende Kosten und angestrebte Klimaschutzziele eröffnen auch Mittelständlern große Chancen: Gebäude-Effizienz, erneuerbare Energien, Wasser-Ver- und -Entsorgung, Logistik und Telekommunikation sind nach Meinung von Experten Wachstumsmärkte.

Einen Volltreffer landete zum Beispiel die Kulmbacher Ago AG mit 155 Mitarbeitern. Sie lieferte vergangenes Jahr für den Neubau einer amerikanischen Brauerei in Kapstadt die Energiezentrale.

Mit der Heißwasser-Anlage wird aus dem fabrikeigenen Abwasser Biogas gewonnen, das die Dampfkessel zum Bierbrauen betreibt – an Stelle von Braunkohle. Nur für Produktionsspitzen werden zusätzlich Erdgas und Heizöl benötigt. Vorstand Hans Ulrich Gruber betont: „Dieses erste Projekt am Kap ist gleich eine wichtige Referenz für uns.“ Auftragswert: 3,8 Millionen Euro.

Die Kulmbacher hoffen auf mehr: „Neben Italien und Norwegen ist Südafrika einer unserer aussichtsreichsten Märkte.“

Aufmerksamkeit ist dem Land also sicher. Wenn zur WM in Durban und Kapstadt die Fans unter Dachkonstruktionen der Memminger Pfeifer Seil- und Hebetechnik GmbH ihre Teams anfeuern, wird die Spannung auch dank moderner TV-Geräte bis zu uns schwappen.

Umsatz-Kick durch Medien-Ereignis

„Steht ein Großereignis im Fußball an, wirken positive Impulse auf den Fernsehmarkt“, sagt etwa Frieder C. Löhrer, Vorstandschef der Kronacher Loewe AG. Der Premiumhersteller erwartet nach herben Verlusten 2009 nun zumindest einen kleinen Kick: Ein einstelliges Umsatzplus durch „das Medien-Ereignis erster Güte“.

Eva Schröder

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