Verkehrssicherheit

Gurttechnik aus Schleswig-Holstein hält Autofahrer im Sitz


Elmshorn. Martina Hentschel zieht das schwarze Gurtband lang. Zwei Handgriffe – und der Sicherheitsgurt steckt in der Maschine fest. Die legt jetzt los: Ein Ruck, dann ziehen, verdrehen und wieder ausklinken – Test bestanden.

„Das muss ein Gurtsystem Zehntausende Male aushalten“, sagt Hentschel, während sie den nächsten Gurt einlegt. Allein in ihrer Schicht durchlaufen mehr als 600 Stück diese Prozedur.

Hentschel arbeitet bei Autoliv in Elmshorn, 30 Kilometer nördlich von Hamburg. Sicherheitsgurte und Airbags des schwedisch-amerikanischen Autozulieferers stecken in fast jedem Pkw. Dazu gehören etwa Modelle von General Motors, BMW, Toyota, VW, Ford und Daimler. „Bei Gurten sind wir Weltmarktführer“, sagt Geschäftsführer Jens Eisfeld. Allein in Elmshorn werden pro Tag 8.000 Autogurte hergestellt.

Der Standort ist auch Entwicklungszentrum. Von insgesamt 1.000 Mitarbeitern tüfteln hier allein über 350 Ingenieure an der Sicherheitstechnik von morgen. „Ein Gurt muss ewig halten. Ihn etwa wegen Verschleiß auszutauschen – das ist nicht vorgesehen“, so Eisfeld. Im Ernstfall muss die Gurttechnik ruck, zuck greifen, um Leben zu retten – egal, wie alt sie ist. Deshalb setzen die Ingenieure ihr ordentlich zu. Im Labor vereisen sie das Gurtband, heizen es auf 60 Grad auf, beschmieren es mit Sonnenschutzcreme und lassen Sand in den Verschluss rieseln.

Höhepunkt der Tortur: eine Vorrichtung, die 50.000 Mal nur eines macht – Gurt auf, Gurt zu. Auch danach muss die Technik noch immer einwandfrei funktionieren.

Zum Beispiel die elektromotorische Vorstraff-Funktion. In Bruchteilen von Sekunden warnen Sensoren die Elektronik im Gurtbeschlag vor einem eventuellen Aufprall. Schon strafft sich das Gurtband, der Fahrer wird sanft in den Sitz zurückgezogen.

„Das System reagiert, bevor es zum Aufprall kommt“, erklärt Techniker Sven Froese. Bleibt der Unfall aus, lockert sich das Gurtband wieder. Kommt es aber zum Aufprall und löst der Airbag löst, landet das Gesicht des Fahrers optimal im sicheren Luftkissen.

Diese Technik braucht allerdings Platz. Das zweieinhalb Kilo schwere Gurtsystem muss diskret in den Tiefen moderner Autositze verschwinden.

Daran arbeitet Entwickler Thomas Gasthaus: „Platz haben wir immer weniger. Jeder Millimeter zählt.“ Sein Entwurf wird als Muster in der firmeneigenen Prototypen-Werkstatt gebaut, dann getestet. Etwa zwei Jahre braucht ein Gurtsystem bis zur Serie.

Gasthaus: „Wir machen keine Kompromisse. Im Ernstfall müssen die Gurte Leben retten.“ Das steckt schon im Namen Autoliv: „Liv“ heißt auf Schwedisch „Leben“.

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Schlagwörter: Auto Verkehr

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