Antimikrobiell dank Kautschuk

Gummiprofile von Dätwyler halten Medizin- und Haushaltsgeräte keimfrei

Waltershausen. Im gleichmäßigen Tempo schluckt die Maschine das schwarze Gummiband. Tischfein sind die Geräusche der 186 Meter langen Monsteranlage nicht. Aber effektiv ist sie: Am anderen Ende spuckt sie unermüdlich frisch vulkanisierte Ummantelung für Seekabel aus. Letztere werden Strom von Offshore-Windmühlen ans Festland transportieren.

Jens Taubert bedient die wohl weltweit längste Extrusionsmaschine für Gummiprofile bei Dätwyler Sealing Technologies Deutschland in Waltershausen (Thüringen). „Das Material ist erprobt“, erklärt der erfahrene Gummiwerker, „weder Salzwasser noch UV-Licht oder Bewuchs können ihm etwas anhaben.“

Bald könnten Taubert und seine 210 Kollegen Gummiprofile mit einer neuen Eigenschaft herstellen: Die Profile bleiben auf Dauer keimfrei, denn sie wirken antimikrobiell. Für diese Innovation gab es jetzt den renommierten Clusterpreis Chemie/Kunststoffe des „IQ Innovationspreis Mitteldeutschland“. „Der Gummimischung werden spezielle Metall-Ionen beigemischt“, sagt Geschäftsführer Matthias Orth. „Mit Feuchtigkeit aus der Luft bilden sie eine Säure mit niedrigem pH-Wert, die an der Oberfläche das Ansiedeln von Mikroorganismen verhindert.“

Dafür haben die Dätwyler-Entwickler mit dem Mediziner Professor Peter Guggenbichler und seiner Firma Amistec in Österreich zusammengearbeitet. „Die Technologie ist dem natürlichen Säureschutz der Haut nachempfunden und ist dem Stand der Technik weit voraus“, verdeutlicht Orth. Infektionen im Gesundheitswesen ließen sich so nachhaltig vermeiden.

Mögliche Anwendungen für den speziellen Gummi gibt es zuhauf: als Dichtungsprofile beispielsweise in Kühlschränken, Wasch- und Spülmaschinen, Klimageräten, Anlagen für die Wasseraufbereitung. Aber auch als Überzug von Griffen, Handläufen und Haltestangen in Krankenhäusern, Toiletten, Küchen und öffentlichen Verkehrsmitteln kann der Gummi aus Waltershausen die Übertragung von gefährlichen Keimen verhindern.

„Erste Kooperationen haben wir schon, weitere sind in Arbeit“, berichtet Orth. Seit 2012 gehört der Standort Waltershausen zum Schweizer Industriezulieferer Dätwyler (weltweit 7.000 Beschäftigte). Hier werden etwa Dichtungen für Betonsegmente im Tunnelbau hergestellt, Schall- und Vibrationsschutzprofile für eingedeckte Gleise von Straßenbahnen und die unterschiedlichsten Gummiprofile für die Industrie.

„Wir haben weitere Neuheiten in der Entwicklung“, verspricht Geschäftsführer Orth. Gut für die Belegschaft von Dätwyler Waltershausen, die in den letzten vier Jahren schon um 60 Mitarbeiter gewachsen ist.


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