Geburt eines Riesen-Brunnens

Glockengießerei Rincker schafft Kunstwerk für Antwerpen

Sinn. Großeinsatz für zwei 40-Tonnen-Kräne: Sie sind angerollt, um eine sieben Meter lange Bronze-Skulptur aus dem engen Hof der Glocken- und Kunstgießerei Rincker herauszuheben und zu verladen.

Von den beiden Kranführern ist da jede Menge Fingerspitzengefühl gefragt, bis das Kunstwerk unbeschadet auf dem Tieflader liegt und fest verzurrt ist. Schließlich soll das edle Teil, Herzstück eines gigantischen, über 13 Meter hohen Brunnens, noch am gleichen Tag aus dem mittelhessischen Sinn in die belgische Hafenstadt Antwerpen gebracht werden.

„Da haben wir dann noch mal eine Woche Arbeit, um die Skulptur aus mehreren Einzelteilen fertigzustellen“, erklärt Fritz Georg Rincker. Gemeinsam mit seinem Bruder Hans Martin leitet er Deutschlands älteste Glocken- und Kunstgießerei in der 13. Generation.

Modernste Technik trifft Mittelalter

Das über Jahrhunderte erworbene Wissen setzten die Brüder nun ein, um Antwerpen eine neue Sehenswürdigkeit zu bescheren. Möglich wurde das Projekt durch die Kooperation mit ihrem Kollegen Jürgen Blöcher, Geschäftsführer der Gießerei Blöcher in Biedenkopf.

Der Spezialist für Aluminium-Sandguss setzt auf modernste Technologien, auf Laser, dreidimensionale CAD-Technik und 3-D-Druck. „Mit pfiffigen Ideen machen wir auch scheinbar Unmögliches möglich“, betont Blöcher.

Wegen dieser Fähigkeiten hatte ihn ein belgischer Unternehmer und Kunstmäzen beauftragt, einen modernen Brunnen für das Firmengelände zu realisieren.

Das Werk ist eine zeitgenössische Interpretation des alten Brabo-Brunnens im Zentrum der belgischen Hafenstadt. Er greift die Legende um die Stadtgründung Antwerpens auf und zeigt den jungen Helden Silvius Brabo, der die Hand eines von ihm besiegten Riesen in den Fluss Schelde wirft.

Dieser alte Brunnen wurde zuerst von einem belgischen Künstler am Computer verfremdet. So entstand ein neues, zunächst nur in der virtuellen Welt existierendes Kunstwerk, das aus 13 Löchern Wasser speit.

Blöcher setzte das Werk dann in ein Modell aus Styropor um und fand in Rincker den richtigen Partner, um die Skulptur schließlich in Bronze anzufertigen.

Über zehn Tonnen Bronze gegossen

Zu groß, um komplett gegossen zu werden, wurde der Brunnen in fast 150 Einzelteilen hergestellt und dann Stück für Stück verschweißt. Über ein halbes Jahr dauerten die Arbeiten bei Rincker, vom Vorbereiten der Formen bis zum Patinieren. Über zehn Tonnen Bronze wurden gegossen.

Inzwischen steht der Brunnen auf seinem angestammten Platz in Antwerpen. Noch fehlen die schweren Granitbrocken, die den Fundamentsockel verkleiden werden. Aber schon jetzt ist Fritz Georg Rincker überzeugt, dass sich der Aufwand gelohnt hat: „Als der Brunnen schließlich in Antwerpen das erste Mal Wasser spie, war das ein grandioser Moment.“


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