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Müll weg, Energie da

Global EnerTec nutzt zermahlene Reifen für die Stromversorgung

Hier werden alte Reifen umweltschonend verwertet. In Brandenburg erzeugt Global EnerTec mit neuer Technik aus Pneus Strom, Aktivkoks für die Wasserreinigung und Salze zum Düngen. 500 Kilo pro Stunde schluckt die Anlage.

Am Reaktor: Jürgen Fechner und Hermann Fischer (links) werten Daten aus. Foto: Sturm

Am Reaktor: Jürgen Fechner und Hermann Fischer (links) werten Daten aus. Foto: Sturm

Schwarzes Gold: Altreifengranulat für den EnerTec-Reaktor. Foto: Sturm

Schwarzes Gold: Altreifengranulat für den EnerTec-Reaktor. Foto: Sturm

Guben. Der Greifer entlässt das metallfreie Altreifengranulat in den Einfülltrichter. Nachschub für den Reaktor von Global EnerTec im brandenburgischen Guben. Stündlich verwertet er 500 Kilo der zermahlenen Pneus. Was Betriebsleiter Jürgen Fechner nun sagt, klingt nach Stroh zu Gold spinnen. „Der Reaktor zerlegt das Material in Öl, Gas und hochwertigen Koks.“

Thermo-katalytische Entgasungstechnologie nennt sich das einzigartige Verfahren, das den Altgummi verwertet. „Die Prozesstemperatur liegt bei etwa 550 Grad Celsius. Verschiedene Katalysatoren, die je nach Materialmix zugegeben werden, sorgen dafür, dass im Prozess keine Schadstoffe entstehen“, erklärt der 64-Jährige.

Öl und Gas werden in der Anlage auch aufgereinigt und in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) in Strom und Wärme umgewandelt. „Mit den 500 Kilo Altreifengranulat, die wir pro Stunde verwerten, produzieren wir in 24 Stunden 14 Megawattstunden Strom. Dabei ist unser Eigenbedarf schon abgezogen“, sagt Fechner. Auch der Koks ist begehrt, etwa als Aktivkoks für die Wasser- und Rauchgasreinigung.

„Wir erreichen einen thermischen Wirkungsgrad von 70 Prozent, Reifen in der Müllverbrennung schaffen nur 30“, betont Fechner. Die Abgase des BHKW werden erneut verwendet. Es verbleiben brennbare Gase und Salze, die als Düngemittel nutzbar sind.

Die Anlage arbeitet seit 2016. Das acht Mann starke Team hat hier nicht nur Altgummi, sondern auch alle möglichen vorsortierten Plasteabfälle sowie Reststoffe aus der organischen Chemie getestet. Es funktioniert, ist wirtschaftlich. Selbst die Schalen von Getreidekörnern taugen für diese Art der Müllaufbereitung. Erfunden hat das patentierte Verfahren der promovierte Chemiker Radwan Matrmawi aus Cottbus. 2013 konnte er potente Investoren gewinnen. „Derzeit sind weltweit schon neun Projekte in der technischen Umsetzung“, berichtet Fechner.

Der Umsetzung am nächsten ist ein Großprojekt in Thüringen. Für 65 Millionen Euro wird eine Anlage entstehen, die von der Abfallsortierung über das Schreddern bis hin zur Verwertung alle Prozessschritte umfasst. 65 Beschäftigte werden rund um die Uhr stündlich zehn Tonnen Reifengranulat sowie über eine Tonne Schredderfraktion – Kunststoffreste aus der Autoverwertung – in Strom und Wärme verwerten.

„Das Verfahren hat riesiges Potenzial“, weiß Fechner. Altreifen und Plastemüll verschmutzen global in riesigen Mengen die Umwelt. „Mit unseren Anlagen können wir die Abfälle sauber entsorgen und zudem einen Beitrag zur stabilen Stromversorgung in weniger entwickelten Regionen der Welt leisten.“


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