Mädchen erobern Maschinen

Girls’ Day Akademie


Güglingen. Die meisten Frauen machen noch immer einen Bogen um Werkbänke und Maschinen. Da bildet die Weber Hydraulik GmbH in Güglingen im Landkreis Heilbronn keine Ausnahme. Doch an diesem Nachmittag sind gleich acht Mädchen im Lehrzen­trum für technische Grundausbildung mit Hammer und Bohrer zugange. Sie besuchen die Girls’ Day Akademie der örtlichen Realschule.

Selbstbehauptung kann man lernen

Selina Klenk hat eine Schutzbrille aufgesetzt und bohrt an der Säulenbohrmaschine Löcher in einen Metallwürfel. „Im Büro sitzen ist nichts für mich“, sagt die 15-Jährige. Sie hat schon früh zu Hause in der Holzfirma mitgeholfen und gewusst, dass sie mal „so etwas“ machen möchte. Auch für ihre Mitschülerin Rebecca Dylong steht fest, dass sie nach der Mittleren Reife eine technische Ausbildung beginnt.

Die Girls’ Day Akademie bietet Mädchen die Möglichkeit, in technische Berufe hineinzuschnuppern – ein Schuljahr lang, einen Nachmittag in der Woche und nicht nur für einen Tag wie beim Girls’ Day.

Was 2007 auf Initiative der Agentur für Arbeit Heilbronn und des Arbeitgeberverbands Südwestmetall mit einem Pilotprojekt begann, hat sich landesweit zum Erfolgsmodell entwickelt. Schülerinnen der Klassen sieben bis zehn von Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien besuchen Betriebe, sie bekommen Einblick in naturwissenschaftlich-technische Berufe und Studiengänge, machen Bewerbungstrainings oder lernen Präsentationstechniken kennen. Auch ein Selbstbehauptungstraining gehört dazu.

„Wenn man nur unter Mädels ist, traut man sich mehr zu und ist offener“, sagt die 14-jährige Rebecca.

Als Mitarbeiterinnen willkommen

Seit mehr als 30 Jahren bildet Weber Hydraulik auch Mädchen in technischen Berufen aus. „Das tut dem sozialen Klima in der Gruppe gut“, sagt Franz Wilhelm, der Leiter der gewerblich-technischen Ausbildung. Doch der Frauenanteil in diesem Bereich erreicht nur rund 10 Prozent.

„Das liegt auch an unseren Produkten“, erklärt Personalleiter Frank Schmid. „Es verlangt Kraft, die schweren Zylinder zu bewegen.“ Das Familienunternehmen mit weltweit 2.000 Mitarbeitern fertigt unter anderem Fahrerhaus-Kippanlagen für Lkws. „Die Mädchen sind hoffentlich unsere Mitarbeiterinnen von morgen“, sagt der Personalchef, während er sie bei der Arbeit beobachtet.

Für die Neuntklässlerinnen hat sich die Teilnahme an der Girls’ Day Akademie gelohnt. „Man kann schauen, was zu einem passt“, sagt Rebecca. Und das Zertifikat, das sie am Ende erhalten, komme bei den Firmen gut an, ergänzt Selina.

Das Projekt sei für die Mädchen ein Türöffner, bestätigt dessen Leiterin Elisabeth Römpp vom Bildungsträger BBQ. Sie verrät noch einen Grund, weshalb sich das Mitmachen lohnt: „Die Mädels haben viel Spaß.“

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