Schwertransporte

Giganten auf Achse


Memmingen. Ganz groß am Rad drehen: Das schaffen Spezialfahrzeuge von Goldhofer mit bis zu 40 Achsen. Sie helfen beim Verschiffen von Ölbohrplattformen, bringen 74 Meter lange Windradflügel durch Kurven einen Berg ­hinauf oder schleppen ein Flugzeug zur Wartung in den Hangar.

Fast die Hälfte seines Geschäfts macht das Memminger Unternehmen, das 650 Mitarbeiter beschäftigt, mit „modularen Schwerlastfahrzeugen“ – den extralangen Spezialanhängern. Die können im Baukastenprinzip zusammengestellt werden, sagt der Vorstandsvorsitzende Stefan Fuchs mit einem Augenzwinkern: „Wir machen Lego für Erwachsene.“

Tausende Kilometer Umweg vermeiden

So bringen zum Beispiel spezialisierte Speditionen neue Windräder oder Pipeline-Teilstücke an Ort und Stelle – mit Transporttechnik von Goldhofer.
Wie im November 2011, beim bisher größten Schwertransport auf Russlands Straßen: Teile einer Reaktoranlage mit jeweils bis zu 1.300 Tonnen Gewicht wurden von St. Petersburg quer durchs Land über etwa 50 Brücken gefahren, bis sie nach 18 Tagen im Ural ankamen. „Wir waren sogar eine Woche früher am Ziel als geplant“, sagt Fuchs.

Transport- und Personalkosten zu sparen, ist das eine. Das andere, etwa einem Energieversorger zu ermöglichen, früher mit einem Neubau loszulegen, weil mehrere Tausend Kilometer Umweg vermieden werden.

Diese Flexibilität ist das Markenzeichen der Allgäuer. Es zeigt sich in teleskopierbaren Ladeflächen, die ähnlich einer Angelrute stufenweise auf 74 Meter ausgezogen werden können. Präzision im Millimeterbereich gehört dagegen zum Ein- und Ausfahren dieser Teleskop-Röhren.

Auf Genauigkeit kommt es grundsätzlich im Transportgeschäft an: So wird die vorgeschriebene Durchfahrtshöhe für Brücken nicht überall so genau genommen wie in Deutschland. Da sind Lösungen nach Kundenwunsch gefragt – etwa wenn eine Spedition vorhat, sich neue anpassbare Fahrzeuge zu kaufen. Oder anfragt, wie sie einen Transport mit ihrem Fuhrpark realisieren kann.

Mit dieser Kundenorientierung setzt sich das 1946 gegründete Unternehmen von der internationalen Konkurrenz ab. „Weil wir Ideen aus unserem Bereich der Flugzeugschlepper zum Beispiel auf Schwerlastfahrzeuge übertragen, bleiben wir in Bewegung und können Kunden viel Erfahrung und Wissen bieten“, erklärt Fuchs.

Kolosse mit Knopfdruck steuern

Man staunt, wenn er von eigens entwickelten, aufeinander abgestimmten Steuerungen berichtet: Ein einzelner Mensch kann so mehrere im Verbund fahrende Schwerlastmodule lenken, die etwa eine fertig montierte Ölplattform bewegen – mit wenigen Knopfdrücken. Fuchs: „Wir spielen im Schwertransport in der Champions League.“

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