Standpunkt

Geschäft mit dem Paradies


Wie die IG Metall das Blaue vom Himmel verspricht

Nach langen, quälenden Jahren des Schrumpfens kann die IG Metall einen leichten Mitgliederzuwachs vermelden. Dazu kann man gratulieren – auch wenn man, wie des Öfteren an dieser Stelle, das Treiben dieser Gewerkschaft eher kritisch begleitet. Tarifautonomie, wie in Deutschland praktiziert, bedarf zweier funktionierender Tarifparteien. Und wer im Geschäftsleben die Erweiterung des Kundenstamms hart erarbeitet, hat Grund zu Stolz und Freude.

Nicht jedoch zu Übermut und Selbstüberhebung. Aber diese brechen sich mit bemerkenswerter Ungehemmtheit Bahn in einer Titelstory des Mitglieder-Magazins zum letzten Gewerkschaftstag. In einem Rundumschlag werden die Probleme der Arbeitswelt erklärt und die Lösungsideen der IG Metall dargeboten – die geradewegs ins Arbeitnehmer-Paradies führen: Als „Dein Vorteil“ erwachsen dem Mitglied angeblich Schutz vor wirtschaftlichen Abstürzen, Gesundheit bis zur Rente, Freizeit nach individuellem Bedarf und eine gesündere Umwelt.

Immerhin: Gearbeitet werden muss auch in diesem Szenario noch. Doch es ist zu schön, um wahr zu sein. Durchsetzen will die Gewerkschaft etwa „die unbefristete Übernahme in feste Jobs für alle Azubis“. Als „Dein Vorteil“ soll das Mitglied „eine sichere Zukunft“ haben. Und zwar nicht nur „Du“, sondern gleich auch noch „Deine Kinder und Enkelkinder“.

Sehen wir es nüchtern: Wer geeignet ist und gebraucht wird, den behalten die Betriebe schon jetzt. Bei einer generellen Übernahme-Verpflichtung würden sie die Ausbildung zurückfahren oder ganz einstellen. Für Azubis würde es reichen, die Prüfung mit Ach und Krach zu bestehen. Und womöglich müssten Beschäftigte zugunsten der zu übernehmenden Azubis entlassen werden.

Es sei denn, die IG Metall setzte sich mit einer weiteren Wunschvorstellung durch: Sie möchte die Mitbestimmung erweitern, „auch auf wirtschaftlich-strategische Fragen, von Standort-Entscheidungen bis hin zu Investitionen“. Effekt: „Dein Betrieb und Dein Arbeitsplatz werden zukunftssicher.“ Also Betriebsräte und Funktionäre als die besseren – ach was, als die perfekten Unternehmer?

Aber halt: Die Rede ist „nur“ vom Reinreden in ­unternehmerische Entscheidungen. Nicht von Mithaftung, wenn was schiefgeht! Genau eine solche Abtrennung des Haftungsrisikos vom Handeln hat man in der Finanzkrise ab 2008 zu Recht einigen Banken vorgeworfen. Soll so eine schiefe Kons­truktion im Ernst zur Regel werden?

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