Logistik

Geordnetes Chaos im Reifenlager


Doch der Computer kennt sich aus – in 24 Stunden ist die Ware beim Kunden

Philippsburg. Die Kleinstadt zwischen Mannheim und Karlsruhe präsentiert sich Besuchern mehr als beschaulich: 13.000 Einwohner, ein Bahnhof, zu klein für einen eigenen Taxistand, sechs Schulen – und ein Kernkraftwerk, das die  nordbadische  Stadt Philippsburg überregional bekannt gemacht hat.

Doch auch unabhängig vom Reizthema Kernenergie ist dieser Ort wichtig. Seine Bedeutung für die internationale Automobilindustrie ist nicht hoch genug einzuschätzen. Hier, im Herzen Europas, steht das Logistik- und Distributionszentrum von Goodyear Dunlop.

Rund um die Uhr rollen täglich knapp 250 Lkws auf den Zufahrtsstraßen zu den 120 Be- und Entladungstoren des Zentrums, um sie meist wenige Stunden später wieder zu verlassen. Etwa 100.000 Pkw- und Farm-Reifen des Konzerns liefert Goodyear Dunlop pro Tag aus – 30 Millionen pro Jahr.

Scheinbar ziellos bewegen sich die orangefarbenen Gabelstapler durch die von gelben Strahlern beleuchteten Hallen – und doch wissen sie stets genau, wo sie hinfahren. Der Computer steuert Auftrag für Auftrag. Über ein SAP-System ist zu jeder Zeit bekannt, welche Reifen im Lager vorhanden sind. Noch wichtiger: wo sie sich gerade befinden.

Wer zuerst kommt, geht zuerst

„Bis zu 8.000 verschiedene Modelle lagern bei uns gleichzeitig – geordnet nach einem chaotischen Lagerplatz-System“, erklärt Thorsten Knapp. Er ist verantwortlich für die Logistik der deutschen Konzernorganisation.

Chaotisch? Denken wir bei diesem Begriff eher an ein unaufgeräumtes Kinderzimmer, beschreibt es für Experten eine ganz bestimmte Art von Ordnung. „Jeder  Reifen kann überall lagern“, so Knapp.

Wichtig ist einzig und allein, dass er auch erfasst ist. Und bei den Reifen geht es nach der Reihe – wer als Erstes ankommt, verlässt das Lager auch zuerst. Kein Reifen soll länger als vier Wochen im Philippsburger Lager liegen.

Die besondere Herausforderung: Es kommt vor, das manch ein Großhändler bis zu mehrere Tausend Reifen am Tag will, ein kleiner Fachhändler benötigt manchmal aber nur einen einzigen. „Häufig braucht er ihn am nächsten Tag“, sagt Knapp. „Sonst könnte der Fahrzeugbesitzer unzufrieden sein.“

Dass dies nur selten der Fall ist, ist eine der herausragenden Leistungen des Systems von Goodyear Dunlop. Rund 200 Mitarbeiter sorgen im Logistik- und Distributionszentrum dafür. Jeder Händler, ob groß oder klein, erhält innerhalb 24 Stunden den gewünschten Reifen – in Deutschland und im benachbarten Ausland.

Autofahrt für einen Reifen

Dafür erstellt das LogistikTeam einen Tourenplan und bestimmt den Lkw, mit dem der Reifen zum Kunden muss. Über Nacht bringt der Spediteur die Ware zum Umschlagpunkt. Dann – möglichst gleich morgens früh – trifft er beim Händler ein.

So viel Flexibilität und Service hat natürlich ihren Preis. „Hin und wieder kommt es vor, dass ein Kollege einen einzigen Reifen von Philippsburg aus beispielsweise nach Hamburg mit dem Auto bringt“, erzählt Werner Haag, Leiter des Logistik- und Distributionszentrums, schmunzelnd. Der Kunde ist halt König. Und im Gegensatz zu Konsumgütern, wie Autos, Elektronikartikeln oder Büchern, erwartet er von Reifen, dass er sie sofort erhält.

 WF/rundum

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