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„Gemeinsam packen wir’s“


Bei Vollert Anlagenbau kommt die Krise jetzt erst an

Weinsberg. Xiamen, China: Hier, mitten in einem erdbebengefährdeten Gebiet, entsteht ein riesiges Hochregallager „Made in Germany“. Ein Aluminium-Walzwerk hat es bestellt. Zum Zwischenlagern von 800 Blechrollen, die je 17 Tonnen wiegen. Chinesische Arbeiter installieren derzeit unter deutscher Anleitung die Elektronik – bald ist alles fertig.

8.000 Kilometer entfernt, in Weinsberg bei Heilbronn, blickt der Unternehmer Hans-Jörg Vollert etwas wehmütig aus dem Fenster. „Der Großauftrag aus Xiamen hat uns dreieinhalb Jahre beschäftigt“, erzählt er. Wie dieser laufen demnächst viele Aufträge aus, die noch aus der Boom-Phase stammen. Denn die meisten haben eine Laufzeit von mindestens einem Jahr.

Bis vor kurzem Überstunden gemacht

Die Krise kommt bei Vollert Anlagenbau jetzt erst an. „Bis Ende September hat die Belegschaft sogar noch Mehrarbeit geleistet“, sagt der Inhaber.

Der Familienbetrieb fertigt mit 200 Mitarbeitern unter anderem Produktionsanlagen, Fördertechnik und Hochregallager für schwere Lasten ab zwei Tonnen. Kunden sind etwa Hersteller von großen Stahl- oder Betonteilen. Viele haben jetzt Investitionen zurückgestellt. „Der Auftragseingang hat sich in einem Jahr etwa halbiert“, verdeutlicht Vollert.

Er spricht ungern von Krise. Für ihn ist es die „Saure-Gurken-Zeit“, und die beginnt für ihn eben jetzt, da andere schon erste Zeichen des Aufschwungs bejubeln.   

Rechtzeitig Lösungen ausdenken

Aber unterkriegen lassen sich der Firmenchef und die Belegschaft nicht. Vollert setzt sich einmal im Monat mit dem Wirtschaftsausschuss des Betriebsrates zusammen. Dann tüfteln sie: Wie reagieren wir? Ihr Motto: „Gemeinsam packen wir’s!“

Der Betriebsratsvorsitzende Werner Knörzer findet das „eine gute Sache“. Er sagt: „Wir haben immer sehr gute Kompromisse gefunden.“

So fällt die Betriebspause über Weihnachten drei Tage länger aus als sonst. Schon Anfang des Jahres fiel der Entschluss, die Gleitzeitkonten auszuweiten. So konnten die Mitarbeiter unbegrenzt Überstunden sammeln. Vollert: „Die werden wir im Frühjahr abbauen.“ Eventuell ist auch Kurzarbeit nötig.

In Xiamen wird bald der erste Arbeiter das neue vollautomatische Hochregallager ausprobieren: Per Tastendruck lassen sich dann die Blechrollen dorthin manövrieren, wo sie gebraucht werden. Das Blech wird später zu hauchdünnen Folien gewalzt, etwa für Tetrapaks.

Auch in vielen anderen Ländern laufen Anlagen aus Weinsberg: Die Firma liefert zu 70 Prozent ins Ausland, ist mit einem Jahresumsatz von rund 50 Millionen Euro weltweit gefragt.

Vollert ist daher zuversichtlich: „Auch wenn die nächsten Monate schwierig werden, im kommenden Herbst wird das Geschäft voraussichtlich wieder anziehen.“

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