Schlaue Belegschaft

Geistesblitze der Mitarbeiter sparen hessischen Chemie-Betrieben Millionen Euro


Frankfurt. Der Schatz in den Köpfen der Belegschaft ist begehrt, ihre Ideen schieben Innovationen an. Und sparen den Betrieben kräftig Geld: Im Durchschnitt 600 Euro pro Mitarbeiter und Jahr, schätzt das Deutsche Institut für Betriebswirtschaft in Frankfurt.

Im Gegenzug gibt es oft eine Prämie. Die wird zum Beispiel beim Technologiekonzern Umicore in Hanau in Gold und damit steuerfrei ausgezahlt. Wie gescheite Einfälle die Unternehmen voranbringen, zeigen aktuelle Beispiele der hessischen Chemie-Branche.

Schnellere Analyse

Wie lassen sich Diagnostic-Tests, die man in neue Analyse-Systeme einbringt, schneller und einfacher auswerten? Die Lösung fand Jürgen Patzke, Laborleiter bei Siemens Healthcare in Marburg.

Er kombinierte den Ansatz verschiedener Messungen. Und erhielt so in viel kürzerer Zeit die nötigen Ergebnisse, um verschiedene Kriterien zu beurteilen. Übrigens: Rein rechnerisch gesehen reicht bei dem Gesundheitsunternehmen jeder Mitarbeiter in Deutschland einen Vorschlag pro Jahr ein.

Plus für die Umwelt

Beim Lackspezialisten Ernst Diegel in Alsfeld steht das Ideenmanagement hoch im Kurs: „Es ist eine Wertschätzung der Mitarbeiter, die an ihren Arbeitsplätzen die Spezialisten sind“, sagt Geschäftsführer Jens Rautengarten. „Und es ist ein gutes Instrument, um Schwachstellen aufzuspüren!“

Zum Beispiel beim Umgang mit Lösemitteln: Produktionsmitarbeiter Alfred Burgschweiger verbesserte das Absaugverfahren an den Waschbecken. So wird weniger Lösemittel verbraucht und an die Umwelt abgegeben.

Verletzungsgefahr minimiert

Seit über 150 Jahren setzt der Chemie- und Pharmakonzern Merck auf die Findigkeit der Belegschaft. 2013 kamen von den 8.826 Mitarbeitern der Standorte Darmstadt und Gernsheim 3.435 Ideen. Eine davon beschreibt, wie sich Tüllen leichter von Schläuchen lösen lassen. Dazu entwickelten Tim Moter, Alexander Samusenko und Michael Fischer ein halbrundes Rohr mit Haltegriff und integriertem Messer. Mit dem Werkzeug lässt sich der Schlauch aufschlitzen und von der Vorrichtung befreien – das minimiert die Verletzungsgefahr.

Platin-Recycling optimiert

Der Technologie-Konzern Heraeus in Hanau würdigt „Top-Ideen“ im Intranet. Wie die von Michael Behrendt, Mitarbeiter der Edelmetall-Recycling-Produktion in Hanau. Hier werden Edelmetalle, etwa aus Industriekatalysatoren, rückgewonnen und gereinigt. Dazu zählt auch Platin. Behrendt optimierte den Reinigungs- und Herstellungsprozess und beschleunigte so die Wiedergewinnung des Edelmetalls.

Artikelfunktionen


Schlagwörter: Chemie Fachkräfte

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang