Maschinenbau

Gefriertrockner der Firma Martin Christ machen Arzneien und Lebensmittel länger haltbar


Osterode am Harz. Ist die Kältekammer richtig montiert? Sorgfältig überprüft Marko Kuschel die einzelnen Komponenten. Kühlspirale und Leitungen sind sauber aufgelötet, der Behälter für das Kältemittel ist fest angeschraubt – fertig ist das erste Modul einer Gefriertrocknungsanlage. „Jetzt sind die Kollegen von der Messtechnik und Verkabelung dran“, so Kuschel.

18 Jahre arbeitet der Kältemechaniker schon für die Martin Christ Gefriertrocknungsanlagen GmbH in Osterode, auch die Lehre hat er hier gemacht. Das ist hier nicht ungewöhnlich. „Viele Mitarbeiter sind 20 Jahre und länger da. Die Fluktuation ist gering“, berichtet Geschäftsführer Frank Harms.

Das gewachsene Know-how fließt direkt in die Produkte. In Osterode werden Gefriertrocknungsanlagen jeder Art und Größe entwickelt und montiert – von Tischgeräten für Labors über Pilotanlagen für klinische Tests bis zu großen Trocknern für die industrielle Produktion. „Wir decken die ganze Bandbreite ab“, so Harms, „und das ist ein klarer Wettbewerbsvorteil.“

Zum Einsatz kommen die Geräte überall da, wo Produkte länger haltbar gemacht werden müssen, vor allem in der Pharma- und der Lebensmittel- Industrie. Das Produkt wird erst gefroren, dann wird ihm in einem aufwendigen Verfahren („Sublimation“) Wasser entzogen. Durch das schonende Trocknen unter Vakuum bleibt die ursprüngliche Struktur erhalten.

Andersherum kann aber auch durch das Gefriertrocknen der Ursprungszustand wiederhergestellt werden. Zum Beispiel von wassergeschädigten Dokumenten – wie im Fall des Kölner Stadtarchivs, das 2009 nach einem Wassereinbruch einstürzte. „Viele Bücher konnten wir aufbereiten und retten, mit einer speziell angefertigten Anlage“, erzählt Harms stolz. „Sie ist bis heute in Betrieb.“

Das 1948 gegründete Familienunternehmen hat 200 Mitarbeiter und 40 Millionen Euro Jahresumsatz – dabei ist die auf dem gleichen Gelände ansässige Schwesterfirma Sigma Laborzentrifugen mitgerechnet. Der Exportanteil liegt bei 80 Prozent. „Die internationale Ausrichtung hat uns erfolgreich durch mehrere Krisen gebracht“, berichtet der Chef. Und setzt hinzu: „Nur wenn wir in Deutschland fertigen, können wir eine hohe Qualität sicherstellen und langfristig erfolgreich bleiben.“

Investitionen, wie jüngst in ein Hochregallager, werden stets aus dem Firmengewinn finanziert: In den 1970er-Jahren beschloss man, prinzipiell keine Kredite aufzunehmen. Hohen Stellenwert hat das Gewinnen von Nachwuchskräften; aktuell sind elf Azubis beschäftigt. „Osterode ist einer der am stärksten überalterten Landkreise, der demografische Wandel ist deutlich zu spüren“, so Harms. Die Firma kooperiert mit Schulen und macht bundesweit Forschungsprojekte mit Hochschulen.

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