Standpunkt

Geben und Nehmen


Warum eine starke Exportwirtschaft gut, aber nicht das Maß aller Dinge ist

Was ist besser: Geld oder Gut? Man könnte meinen: Das ist gehupft wie gesprungen – Geld braucht man, um an Güter zu kommen, und für Güter (auch das Leistungsgut Arbeit) bekommt man Geld. Doch Geld kann man bekanntlich nicht essen, nicht dem Endzweck aller Wirtschaftsplackerei zuführen, dem Verbrauch.

Und was ist besser: Ausfuhr oder Einfuhr? Auch das ist nur scheinbar eine dumme Frage, sie hat mit der ersten zu tun – und mit den aktuellen Spannungen in der Weltwirtschaft.

Für die am Außenhandel direkt Beteiligten ist das kein Thema. Sie agieren als Importeure, also Geldhergeber, oder als Exporteure, also Güterhergeber – und sie haben andere Sorgen als die, ob (was auch immer) Geben seliger als Nehmen ist. Doch gesamtwirtschaftlich? Ist der Bezug von Gütern dem Endzweck aller Wirtschaftsplackerei vielleicht nicht doch dienlicher als die Weggabe von Gütern?

Ohne Einfuhr geht es nicht. Und selbst ein Land, das notfalls den gesamten Bedarf selbst decken könnte, wird wohlweislich in bestimmten Bereichen auf Eigenleistung verzichten und sich in anderen Bereichen auf Eigenleistung über den Binnenbedarf hinaus spezialisieren. Das heißt aber auch: Gesamtwirtschaftlich ist das Hergeben von Gütern nicht schon bei Geld-Erlangung, sondern nur bei schließlicher Güter-Erlangung zielführend, also verbrauchsdienlich.

Einfuhr ist demnach zwar nicht „besser“, wohl aber vorrangig: Ausfuhr muss nur sein, um Einfuhr zu ermöglichen – im nötigen (Erdöl) oder gewünschten Maß (Bananen). „Export-Weltmeister“ sein zu wollen, ist auf Dauer nur sinnvoll, wenn man auch die „Import-Weltmeisterschaft“ anstrebt. Viel mehr ein- als auszuführen (wie die USA oder Griechenland), häuft Schulden an, ist aber immerhin verbrauchsfreundlich. Viel mehr aus- als einzuführen (wie Deutschland oder China), bedient hingegen die Auslandsverbraucher.

Diesem ernüchternden Befund steht natürlich die Arbeitsplatz-Bilanz gegenüber – etwa 5 Prozent der Beschäftigten erarbeiten die deutschen Ausfuhr-Überschüsse. Wir sollten uns einen Arbeitsmarkt wünschen, der sie in den Dienst von uns Binnenverbrauchern lockt.

Die erstaunenswerten Leistungen unserer Export-Unternehmen bleiben von dieser Bewertung unberührt. Aber Politikern, die sich mit der gesamtwirtschaftlichen Dauerschieflage auch noch brüsten, gehört denn doch über den Mund gefahren.

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