Mittelstand

Gas geben mit Bremsen


Hersteller Magura will wachsen

Bad Urach. Jaa, mir san mit’m Radl da! Vier Millionen Beschäftigte in Deutschland können dieses bekannte Lied singen – so viele fahren jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit, schätzt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club. Überhaupt ist Radeln angesagt. Von diesem Trend will die Firma Magura in Bad Urach profitieren.

Magura hat 360 Mitarbeiter. Einige sind mit’m Radl da, und alle fürs Radl – das Unternehmen hat nämlich die hydraulischen Fahrradbremsen erfunden. Allerdings räumt Geschäftsführer Edmund Hirth ein: „In den letzten Jahren haben wir etwas den Anschluss an die Marktentwicklung verloren.“ Den Weltmarkt dominieren die Asiaten. Hirths Geschäftsführer-Kollege Thomas Raith präzisiert: „Unsere Qualität und unser Image sind gut, aber Design und Preis haben zuletzt nicht mehr gestimmt.“ Mit neuen Produkten will das Unternehmen auch im Umsatz wieder weltweit unter die Top drei.

Neues Werk und Innovationen

Dafür hat sich der schwäbische Betrieb einiges einfallen lassen. So werden die Produktions- und Logistikprozesse laufend weiter automatisiert, um effizienter und kostengünstiger zu fertigen. Diesem Zweck dient auch ein neues Werk im nahen Hengen, das 2011 das alte Gebäude in Bad Urach ersetzen soll. Hirth: „Der Bau hat sich etwas verzögert, weil unser Umsatz 2009 um ein Fünftel gefallen ist.“ Zuletzt verkaufte der Hersteller in einem Jahr Produkte im Wert von 50 Millionen Euro.

Mit Innovationen will Magura die Verkaufszahlen steigern und bekannter werden. Etwa mit einer neuen Felgenbremse im Baukastensystem: Dazu gehören auch wechselbare designprägende Gehäuseschalen. So können die Kunden das Aussehen wählen, das gerade angesagt ist. Auch eine neue Scheibenbremse ist in Planung, die „ein Kracher“ werden soll, so Raith. Mehr will er nicht verraten. Bei den hydraulischen Felgenbremsen ist Magura jetzt schon Marktführer.

Was die besten Bremsen für Eigenschaften haben sollen, bestimmen die Kunden mit. Über deren Wünsche informiert sich das Unternehmen nicht mehr nur auf Messen. Sondern auch über Internet-Plattformen und Netzwerke wie Facebook und Twitter. „Auch die verstärkte Kommunikation mit den Kunden gehört zu unserer Neuausrichtung“, erklärt Raith.

Firmenchefs gehen mit Kunden radeln

Deshalb wissen die Magura-Mitarbeiter genau: Radfahrer wollen schnell anhalten können und wenig Wartungsaufwand haben. Die Teile sollen leicht zu wechseln sein. Frauen wünschen sich Griffe für kleine Hände. Die Fahrradhersteller wollen preiswerte Produkte, die einfach zu montieren sind.

Die beiden Geschäftsführer gehen regelmäßig mit Kunden radeln. Sie wünschen sich, dass die Geschäfte einen Gang zulegen. Hirths Ziele: „Wir wollen eine schwarze Null in 2010. Und ab nächstem Jahr nicht nur wachsen, sondern wieder Geld verdienen.“

 

Übrigens ...

Radfahren ist in

Seit den 90er-Jahren ist unsere Radelleistung um rund 40 Prozent gestiegen – auf 400 Kilometer pro Kopf und Jahr. Das hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ermittelt. Wir sind nicht nur mit 41 Millionen Autos unterwegs, sondern auch mit 69 Millionen Fahrrädern.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang