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Ganz schön beschlagen


Hettich gehört zu den größten Herstellern von Möbelbeschlägen. Er setzt auf Qualität – und auf Asien

Kirchlengern. Ohne Pause schiebt eine Maschine vollbeladene Schubladen rein und zieht sie wieder raus. Zu Prüfzwecken. Schubladen fürs Küchenbesteck etwa müssen das 80.000-mal aushalten – so steht‘s im Lastenheft. „Einmal haben wir das eine Million Mal gemacht, die Schublade lief noch immer perfekt“, sagt Carsten Voges, Mitarbeiter im Testlabor von Hettich in Kirchlengern.

Hülsta, Ikea & Co. verkaufen weltweit

Das westfälische Unternehmen ist Teil der gleichnamigen Firmengruppe, die allein am Hauptsitz Kirchlengern mehr als 1.800 Mitarbeiter hat. Sie produziert Technik für Möbel: Scharniere, Auszugsführungen, Seitenteile für Schubläden sowie Griffe für Schränke; außerdem komplette Innenleben von Schubläden.

Die Gruppe gehört in der Branche zu den Premiumherstellern. Kunden sind so bekannte Hersteller wie Hülsta, Nolte, Nobilia, SieMatic und Ikea – Firmen, die rund um den Globus verkaufen.

Hettich lebt gut vom Export: Er trägt zwei Drittel zum Umsatz bei. Aber eben dieser Umstand bereitete im Rezessionsjahr 2009 Probleme.

Der Umsatz sank gegenüber dem Vorjahr um fast 10 Prozent. Weil vor allem der Absatz in Spanien, Großbritannien und den USA deutlich zurückging. Dazu kam ein schwaches Osteuropa-Geschäft und der weltweite Einbruch im Büromöbelmarkt. „So etwas haben wir noch nie erlebt“, sagt Geschäftsführer Uwe Kreidel.

Die Folgen: Allein in Kirchlengern fuhren bis zu 320 Mitarbeiter mehrere Monate lang Kurzarbeit, zudem verzichtete das Management acht Monate lang auf 6,5 Prozent des Gehalts. Das Wichtigste aber: Alle Stammarbeitsplätze blieben erhalten.

Inzwischen ziehen die Aufträge wieder an – auch von der deutschen Kundschaft. Die heimischen Möbelbauer rechnen 2010 mit einem Umsatzplus von bis zu 3 Prozent. Hauptgrund: der erstarkte Export. Von Januar bis Juni stiegen ihre Auslandsverkäufe um mehr als 8 Prozent auf fast 4 Milliarden Euro.

Zweistelliges Wachstum in Fernost

Besonders gut lief es in Asien. Auch für Hettich boomt es dort. „In diesen Ländern verzeichnen wir ein zweistelliges Absatzwachstum“, so Kreidel. Dort entstehen derzeit große Apartment-Anlagen – eine hochwertige Einbauküche inklusive. Gut im Geschäft ist da der deutsche Hersteller SieMatic. Über ihn  gelangen viele Hettich-Produkte ins Ausland.

Rund 20 Prozent des Umsatzes macht Hettich inzwischen mit Erzeugnissen, die jünger als fünf Jahre alt sind. Die Produktlinie „Sensys“ etwa kam letztes Jahr auf den Markt. Das sind besonders gut gedämpfte Scharniere, beispielsweise für Küchenmöbel.

Derweil laufen die Prüfmaschinen gnadenlos weiter. Und Carsten Voges bereitet den nächsten Test vor, während es im Raum leise klappert. Rein und raus, rein und raus ...

 

Info: Hettich-Gruppe

Das Familienunternehmen ist in seiner Branche einer der größten Hersteller weltweit. Die Hettich-Gruppe hat sechs Werke in Deutschland, dazu kommen insgesamt fünf Fabriken in China, Russland, Spanien, Tschechien und den USA. Sie beschäftigt mehr als 5.500 Mitarbeiter und setzte im vergangenen Jahr 703 Millionen Euro um.

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