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Ganz nah dran


Wie Alexander Lang Webasto-Kunden in die Entwicklung von neuen Fahrzeugteilen einbezieht

München. Ein elektrisch ausfahrbarer Heckspoiler, eine Kühlerfigur, die sich auf Knopfdruck versenken lässt oder ein Glasschiebedach mit Solarspeicher: Schlaue Köpfe beim oberbayerischen Zulieferer Webasto entwickeln ständig neue Produkte, die Autofahrern das Leben erleichtern.

Doch wie lässt sich in Erfahrung bringen, was sich Kunden künftig tatsächlich wünschen? Dazu kann man sie natürlich befragen. Doch das ist nicht so einfach bei Bauteilen mit mehrjähriger Entwicklungszeit bis zur Serienreife.

„Wir können uns schlecht mit einem Prototypen in die Fußgängerzone stellen und die Leute fragen: Würden Sie das kaufen?“, sagt Webasto-Marketing-Chef Alexander Lang.

Also hat er einige neue Instrumente für das Innovationsmanagement seiner Firma entwickelt. Regelmäßig lädt er ausgewählte Kundengruppen ein, bei Arbeitstreffen ihre Ideen für neue Webasto-Produkte einzubringen.

Neuartige Ideen entstehen im Team

Die Teilnehmer an solchen sogenannten „Lead user workshops“ wurden vorab über Autohäuser, Internet oder per Anzeige gesucht und mit einem Fragenkatalog auf ihre Eignung getestet. Den Fragebogen hat Lang zusammen mit Wissenschaftlern der TU München entwickelt.

„Solche Gruppen können, geführt von Profi-Moderatoren, völlig neue Ideen hervorbringen“, ist Lang begeistert. Gemeinsam mit Entwicklern und Designern seien die richtigen Endkunden durchaus in der Lage, Ideen teils bis zu funktionstüchtigen Prototypen umzusetzen.

Die Datenbank dieser „Lead  user“ bei Webasto umfasst mittlerweile annähernd 10.000 Adressen in Deutschland und in den USA. „Dieses Verfahren ist ein völlig neuer Ansatz, Endkunden in den Innovationsprozess einzubeziehen“, beschreibt Lang.

Über 1.000 praxisbezogene Ideen sind so in den vergangenen eineinhalb Jahren bei zehn Workshops zusammengekommen – wertvoller „Rohstoff“ für den Innovationsprozess bei Webasto.

„Selbstverständlich kommen nach wie vor hervorragende Anregungen für neue Produkte von internen Abteilungen, Lieferanten oder Herstellern“, so Lang. Doch im Gegensatz zur Ideen-Gewinnung durch die hauseigene Entwicklung werde bei den Workshops zuerst strukturiert ein Endkunden-Bedürfnis identifiziert. Dann erst folgen Überlegungen zu Funktion und Design. Der Entstehungsprozess eines neuen Produkts wird also von den Wünschen und Bedürfnissen des Verbrauchers her aufgerollt.

Mittlerweile hat sich bei Webasto auch intern herumgesprochen, dass vom zusätzlichen Standbein bei der strategischen Produktplanung alle profitieren. „Wir haben so unsere Innovationskraft deutlich gestärkt“, sagt Lang.

In Umsatz und Produkten allerdings lässt sich dies wohl erst in einigen Jahren ausdrücken, wenn das erste mit Hilfe von Kunden entwickelte Serienprodukt auf den Markt kommt.

Kreativer Austausch nützt allen

Lang denkt unterdessen bereits weiter Richtung Zukunft: Sein nächstes Projekt ist der Aufbau einer Internet-Community für Endkunden, die sich online über beliebige Produkte oder neue Ideen austauschen können. „Eine Art interaktive Produktentwicklung mit Kunden aus aller Welt“, verspricht er sich langfristig davon.

„Miteinander reden, voneinander lernen“: Diese Strategie gibt Lang auch gern in Metall- und Elektro-Fachkreisen weiter, zum Beispiel bei den „Webasto-Open- House-Tagen“. Er ist überzeugt: „Wenn wir den kreativen Austausch in neuen Netzwerken pflegen, stärkt das die Kompetenz aller Beteiligten.“

Michaela Geiger

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