Metallveredelung aus Hessen schützt vor Wind und Wetter

Galvanik: In jedem Auto weltweit steckt etwas von Assmus

Dietzenbach. Geschickt holt Patrick Hohn ein Bauteil aus dem Galvanikbad und prüft den Zustand der Beschichtung. Zuvor hat er fürs Labor bereits etwas Flüssigkeit entnommen, die mehrmals täglich kontrolliert wird. „Nur wenn Temperatur und Inhaltsstoffe exakt stimmen, können wir Metallteile mit einer perfekten Schutzschicht zum Beispiel aus Zink und Nickel umhüllen, damit sie nicht rosten oder vorzeitig verschleißen“, erläutert Hohn.

Er erlernt im dritten Ausbildungsjahr bei Assmus Metallveredelung in Dietzenbach Oberflächenbeschichter, die neue Berufsbezeichnung des Galvaniseurs. Qualifizierte Mitarbeiter sind wichtig für das über 150 Jahre alte Familienunternehmen, um die steigenden Ansprüche der Kunden aus der Industrie erfüllen zu können.

„Jedes Auto weltweit hat sicher mindestens ein Teil, das bei uns durch die Bäder gegangen ist“, sagt Geschäftsführer Markus Sohn. „Dass Autos auch nach zehn Jahren nicht auseinanderfallen und Motoren einwandfrei funktionieren, ist der Effekt gekonnter Oberflächenbeschichtung, von der Schraube bis zum komplizierten Bauteil“, ergänzt Sohns Kollegin, Geschäftsführerin Dorothea Christ.

Die durch Veredelung geschützten Metalloberflächen widerstehen Wind und Wetter und damit der Korrosion. Vor allem die Auto-Industrie, aber auch Luftfahrt, Windkraft oder die Bahn setzen auf Assmus. Ihnen allen bietet das Unternehmen eine Vielfalt von Beschichtungen. Gemeinsam mit wissenschaftlichen Instituten und Fachverbänden wird zudem ständig an neuen Oberflächen und Verfahren gearbeitet.

So konzentrieren sich die Entwickler unter anderem auf einen Ersatzstoff für Cadmium, da das in Europa nur noch in Ausnahmefällen verarbeitet werden darf.

Als erstes Unternehmen der Branche setzt Assmus bereits auf 3-D-Druck. „So arbeiten wir schon in der Planungsphase statt nur mit einer Zeichnung an einem Modell des geplanten Bauteils. Und sehen, welches Verfahren das richtige ist oder erkennen Materialprobleme wie eine zu schwache Wandstärke, ehe teure Werkzeuge produziert wurden“, erklärt Sohn. Jährlich re-investiert die Firma hohe sechsstellige Beträge in neue resourcenschonende und umweltschützende Fertigungstechnologien, um nachhaltig wirtschaften zu können.

Im letzten Jahr wurde an den drei Standorten mit 170 Mitarbeitern ein Umsatz von 14 Millionen Euro erwirtschaftet. Sorgen bereiten den Geschäftsführern vor allem die dramatisch angewachsenen bürokratischen Auflagen und Kosten aus der neuen Energiepolitik der Bundesregierung, die hier inzwischen einen hohen sechsstelligen Betrag erreicht haben. Christ: „Das führt zu einer Wettbewerbsverzerrung gegenüber dem Ausland, da diese Belastungen dort fehlen.“

Für Sohn steht fest: „Um mit allen Auflagen hier zu bestehen, muss man leider immer härter kämpfen.“


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