Recycling

Für wilde Kerle extra-weich


Kraiburg Relastec produziert aus Abfall Sicherheit

Recycling – das ist nicht nur ein Thema für den privaten Haushalt und seine diversen Abfall-Behälter. In der Wirtschaft gilt dieses Prinzip erst recht: Reststoff ist Wertstoff. Und daraus lassen sich viele nützliche Dinge machen. Hier sind zwei Beispiele aus unserer Branche. Texte: Uwe Rempe

Salzwedel. Dieter Müller kippt den Behälter mit Gummi-Granulat in die Form. „Daraus wird ein ganz besonderer Bodenbelag für Spielplätze“, erzählt der Mitarbeiter der Gummiwerk KRAIBURG RELASTEC GmbH in Salz­wedel (Sachsen-Anhalt). „Da kann kaum etwas passieren, das ist TÜV-geprüft.“ Die Platten gewähren einen Fallschutz aus bis zu drei Metern Höhe –  und bieten so, zum Wohle unserer Kinder, Schutz vor größeren Verletzungen.

Einzigartige Fertigungsanlage

Das Geheimnis der sanften Platten liegt in ihrer Herstellung. „Die Weichheit oder Härte hängt von der Korngröße des Gummis und vom  Pressdruck ab“, verrät Georg Stockhammer, Geschäftsführer des Unternehmens, das seit 1991 zur bayerischen Kraiburg-Holding gehört. Er erklärt: „Je größer die Gummi-Teilchen, desto weicher wird das Material.“

Bemerkenswert: Die Fabrik verwendet für ihre Produktion fast ausschließlich Recycling-Granulat. Rund 60.000 Tonnen im Jahr, vor allem aus Stanzresten anderer Betriebe und Altreifen. Das ist ökonomisch – denn es spart teures Erdöl, aus dem neues Gummi produziert wird. „Und es ist ein Beitrag zum Umweltschutz und zur Ressourcen-Schonung“, betont Geschäftsführer Stockhammer.

Die Gummi-Reste werden zunächst in Granulatoren granuliert, also auf die benötigte Größe zerkleinert. Dann werden sie verarbeitet. Entweder in Pressformen zu Platten, wie am Arbeitsplatz von Dieter Müller. Oder zu Bahnen – in einer weltweit einzigartigen Produktionsanlage.

„Sie ist hier entwickelt und mit einem Partner gebaut worden“, berichtet Stockhammer. Sie mischt das Gummi-Mehl mit Polyurethan und einigen speziellen Zusätzen und presst es zu großen Zylindern. Nach dem Abkühlen werden die Zylinder in einer weiteren Anlage, einer Schälmaschine, in Bahnen geschnitten.

Produktion läuft rund um die Uhr

Kraiburg Relastec produziert auch Spezialbeläge für Sporthallen,  schall- und schwingungsdämpfende Beläge für die Bau-Industrie und Anti-Rutsch-Matten für die Transportsicherung von Lkws und Eisenbahnzügen. Trotz der allgemeinen Absatzschwäche wird in dem 160-Mann-Betrieb nach wie vor in vier Schichten rund um die Uhr gearbeitet. „Zwar ha­ben auch wir weniger Aufträge, aber wir können zufrieden sein“, sagt Stockhammer.

Das sind offenbar auch die Kunden. Der Umsatz ist in den letzten Jahren stets um einen zweistelligen Prozentsatz gestiegen. Etwa 70 Prozent der Fertigung gehen ins Ausland. Vier Ingenieure tüfteln in Salzwedel an Produkt-Verbesserungen.

Und weitere Investitionen sind in Planung, versichert Stockhammer. Erst 2007 wurden hier 9 Millionen Euro in eine neue Produktionshalle investiert  und  30  neue Ar­beitsplätze geschaffen.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang