Beruf und Familie

Für Job und Kinder


Modell: Zwei Beschäftigte teilen sich eine Stelle

Lauf/Nürnberg. Auftragsrückgang, Gewinneinbruch: Die Konjunktur schwächelt, viele Unternehmen müssen sparen. Alles kommt auf den Prüfstand. Doch auf eines verzichtet die große Mehrheit der Firmen keinesfalls: auf Familienfreundlichkeit (siehe Grafik).

Kluge Köpfe braucht das Land

Früher gerne als „Sozialklimbim“ abgewertet, hat sich heute die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Wettbewerb wichtig geworden ist.  „Wir tun alles, damit unsere Mitarbeiter an Bord bleiben“, sagt zum Beispiel Andrea Hessel, Personalleiterin von Zeitlauf. Das fränkische Unternehmen für Antriebstechnik zahlt freiwillig einen Zuschuss von 100 Euro monatlich zu den Kinderbetreuungskosten.

Gertrud Schmitt ist schon seit 21 Jahren bei Zeitlauf. Wegen ihres siebenjährigen Kindes arbeitet sie in Teilzeit. Sie kann die Zeiten sogar selbst bestimmen. „Das war für mich der entscheidende Grund, wieder zu arbeiten“, sagt die Gerätezusammensetzerin.

Teilzeit in der Fertigung

Um Beschäftigte zu halten und neue zu gewinnen, hat sich die Firma Bosch nicht weniger als 100 maßgeschneiderte Arbeitszeitmodelle einfallen lassen. Und es sollen noch mehr werden: Das Werk in Nürnberg bereitet sich derzeit darauf vor, auch in der Schicht moderne Teilzeitbeschäftigungen anzubieten. So können sich in der Fertigung künftig jeweils zwei Mitarbeiter eine Stelle teilen.

Wie wichtig das Thema für Beschäftigte ist, zeigt eine Studie des Nürnberger Marktforschungsunternehmens GfK. Demnach spielt für 92 Prozent der berufstätigen Väter und Mütter die Familienfreundlichkeit des Arbeitgebers eine mindestens genauso wichtige Rolle wie das Gehalt.

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) empfiehlt den Unternehmen, gezielt nichtberufstätige Frauen für eine Anstellung zu gewinnen. Der Grund: Weil die Zahl der Deutschen in Zukunft weiter kräftig schrumpfen wird, verschärft sich der Fachkräftemangel. Nach Schätzungen von Experten fehlen bis 2030 in Bayern 1,5 Millionen Arbeitskräfte.

Vor kurzem wurde übrigens auch die vbw selbst als Arbeitgeber für eine vorbildliche Familienpolitik ausgezeichnet.

Miriam Zerbel

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