Fachkräfte

Für die Enkel bleibt genügend Zeit


Ruheständler und Geschäftsführer: Alfred Odendahl (links) und Thomas Heinz leiten den Einsatz der Bosch-Senior-Experten. Foto: Werk

Bosch setzt auf das Wissen seiner Ruheständler

Leonberg. Personeller Engpass im Betrieb: Eine neue Fertigungslinie soll anlaufen, die Qualitätssicherung oder das Rechnungswesen auf Vordermann gebracht werden. Doch der dringend benötigte Fachmann fehlt.

Bei Bosch ist dies ein Fall für die Senior-Experten. Um den Erfahrungsschatz früherer Mitarbeiter zu erhalten, gibt es die Bosch Management Support GmbH (BMS) in Leonberg.

Mit 30 Ruheständlern fing es vor elf Jahren an. „Inzwischen machen über 880 frühere Fach- und Führungskräfte mit“, sagt Alfred Odendahl. Der 64-Jährige, selbst Bosch-Ruheständler und in Teilzeit BMS-Geschäftsführer, rechnet vor: „Jeder Einzelne bringt 30 bis 40 Jahre Bosch-Erfahrung ein. Da kommen locker 26.000 Jahre Know-how zusammen.“

Gemeinsam mit seinem Kollegen Thomas Heinz steuert Odendahl die Ein-sätze der 60- bis 75-jährigen Senior-Experten. Im vergangenen Jahr kamen die alten Hasen auf mehr als 20.000 Beratertage – die Hälfte davon leisteten sie im Ausland.

Odendahl: „Unsere Leute können ohne Einarbeitungszeit sofort loslegen.“ Denn die erfahrenen Boschler be-herrschen ihr Metier und kennen das Unternehmen. Für Bosch sind die Senioren, die wie Festangestellte entlohnt werden, etwas günstiger als Berater von außen. „Dabei geht es ihnen weniger ums Geld als um Wertschätzung“, weiß Ge-schäftsführer Heinz aus vielen Gesprächen.

Senioren bleiben technisch fit

Die Rückmeldungen der Kunden seien ihnen besonders wichtig. Und die sind mehr als zufrieden. Von 100 erreichbaren Punkten gab es in den Bewertungen der vergangenen Jahre regelmäßig zwischen 85 und 88.

Die Lebensqualität bleibt bei den Einsätzen im Ruhestand nicht auf der Strecke. „Wir fordern die Leute an, wenn wir Arbeit haben“, so Heinz. Dabei gebe es auch mal Absagen, wenn die Enkel betreut werden sollen, der Garten gepflegt werden muss oder ein Urlaub gebucht ist.

Ein Gewinn für die Pensionäre: Durch die Arbeit mit den Jungen halten sie technisch den Anschluss, lernen etwa neue Computerprogramme zu beherrschen. Knapp 13 Millionen Euro setzte die „Altherren-Riege“ BMS im vergangenen Jahr um. Ein Erfolg, der sich auf andere Firmen übertragen lässt? „Ja“, sagt Odendahl, „wenn Alter positiv besetzt ist, mit Erfahrung.“

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