Tipp der Woche

Früher raus?


Zeit, um das Leben zu genießen: Wer hart gearbeitet hat, möchte oft früher aussteigen. Foto: Powers

Altersteilzeit: Was noch geht, hängt von der Branche ab

Der politische Schlagabtausch über das „Ende der Altersteilzeit“ ist inzwischen weitgehend vorbei. Was im medialen Wirbel oft untergegangen ist: Die Altersteilzeit gibt es nach wie vor! Und sie wird sogar nach wie vor staatlich subventioniert – wenn auch nicht mehr so kräftig wie früher.

Klare Sache, dass es mit dem massiven Anreiz zur millionenfachen Frühverrentung bei uns ein Ende haben musste: Wo die Bevölkerung zugleich altert und schrumpft, müssen alle länger ran. Folgerichtig ist die milliardenschwere Förderung der Altersteilzeit durch die Agentur für Arbeit Ende 2009 ausgelaufen.

Kein individueller Rechtsanspruch

Klar aber auch, dass es zum Beispiel für Nachtschichtarbeiter schwierig sein kann, bis zum Rentenbeginn durchzuhalten.

Welche Möglichkeiten Arbeitnehmer jetzt noch haben, früher auszusteigen, hängt nicht zuletzt von der Branche ab: Während zum Beispiel für die Metaller ein spezieller neuer Tarifvertrag Regeln für die Altersteilzeit vorgibt, haben andere Industriezweige keine Regelung mehr.

Wenn es weder einen Tarifvertrag noch eine Betriebsvereinbarung gibt, kann im Prinzip jeder Beschäftigte ganz individuelle Vereinbarungen mit dem Betrieb schließen. Einen Rechtsanspruch darauf gibt es freilich nicht.

In der Praxis wählen rund 90 Prozent der Altersteilzeit-ler das Blockmodell: Sie arbeiten also die erste Hälfte ihrer Altersteilzeit volle Pulle weiter, die zweite Hälfte dann gar nicht mehr.

Wobei sie nicht etwa die ganze Zeit von einem halben Gehalt leben müssen: Dafür sorgen die sogenannten „Aufstockungsbeträge“, die – in dieser Reihenfolge – tariflich, auf betrieblicher Ebene oder auch individuell vereinbart werden können.

Und hier greift nach wie vor eine oft übersehene staatliche Förderung: Die Aufstockungsbeträge fließen nämlich laut Gesetz steuer- und sozialabgabenfrei.

Rücksicht auf Schichtarbeiter

In Deutschlands größtem Industriezweig Metall und Elektro (M+E) können Altersteilzeitler nach Angabe von Gesamtmetall im Durchschnitt mit stolzen 87 Prozent ihres bisherigen Nettos rechnen. Das nötige Geld wird tariflich gegenfinanziert: Die Arbeitgeber und die Beschäftigten teilen sich die Extra-Kosten, die für einige ältere Kollegen fällig werden.

Besondere Rücksicht nehmen die Metaller auf Nacht- und Wechselschichtarbeiter sowie auf Menschen, die Jobs „unter besonders starken Umwelteinflüssen“ verrichten: Ist so jemand mindestens 57 Jahre alt und mindestens seit 12 Jahren im Betrieb, hat er einen vorrangigen Anspruch auf Altersteilzeit.

Alle anderen M+E-Beschäftigten müssen einerseits mindestens 61 Jahre alt sein und andererseits nach maximal vierjähriger Altersteilzeit sofort Anspruch auf eine ungekürzte Altersrente haben. Das heißt: Für sie verschiebt sich ab 2012 der Termin für einen früheren Ausstieg Jahr um Jahr etwas nach hinten – wegen der schrittweisen Einführung der Rente mit 67.

Wichtig: Diese M+E-Regeln gelten nicht unbedingt in jedem Betrieb. Jedes einzelne Unternehmen kann für sich die Altersteilzeit generell ausschließen.

Info: Steuerfalle

Der Aufstockungsbetrag für Altersteilzeitler wird zwar ohne Abzüge ausgezahlt – er ist aber nicht ganz so „steuerfrei“, wie dieses Wort es vermuten ließe. Denn hier greift, wie zum Beispiel auch beim Kurzarbeitergeld, der sogenannte Progressionsvorbehalt: Das heißt, dass das normale Einkommen im Nachhinein einem etwas höheren Steuersatz unterworfen wird. In der Praxis wird daher oft im Folgejahr eine Steuernachzahlung fällig.

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