Demografie

Früher in Rente - mit Langzeitkonto


Beispiel Bayer: Mit Vorsorge kommt man flexibel in den Ruhestand

Bis 66 oder 67 arbeiten. Das ist die Zukunft. Doch was, wenn man in dem Alter nicht mehr so mithalten kann? Das fragen sich viele Beschäftigte. Auch Christiane Hoffmann (45), Software-Expertin bei den Bayer Business Services in Leverkusen. „Die Zeiten sind hektisch im Job. Heute macht mir das nichts. Aber wer weiß, was in 20 Jahren ist?“, sagt sie.

Einen Ausweg bietet hier das Langzeitkonto. Mit ihm kann man sich auch ohne gesetzlich geförderte Altersteilzeit ein Stück Flexibilität beim Übergang in den Ruhestand verschaffen, wie es auch der neue „Tarifvertrag Lebensarbeitszeit und Demografie“ vorsieht.

Der Pharma- und Chemie-Konzern Bayer führte das Langzeitkonto („BayZeit“) im vergangenen Jahr ein. Mit Erfolg: 10 Prozent der Tarif-Mitarbeiter und 15 Prozent der außertariflich Beschäftigten machen schon mit. Und zwar freiwillig. Auch Software-Expertin Hoffmann ist dabei.

Volles Entgelt trotz Freistellung

Wie funktioniert so ein Langzeitkonto? „Ähnlich wie ein Sparbuch“, erklärt Dieter Seufert, Leiter Entgelt- und TarifPolitik bei Bayer in Leverkusen. „Man spart darauf Geld. Das wird angelegt und verzinst. Aus der Summe zahlt das Unternehmen während eines vorgezogenen Ruhestands oder einer Freistellung das Entgelt.“ Dadurch kann man – je nach Sparsumme – mehrere Monate freinehmen und bekommt dennoch sein volles Monats-Entgelt.

Positiver Zusatzeffekt: Man kann das Konto auch für die Weiterbildung nutzen, ergänzt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Oliver Zühlke. „Mit der Sparsumme kann man sich für eine persönliche Qualifizierung oder für die Prüfungsvorbereitung freinehmen – und zwar ohne Einbußen beim Verdienst.“

Auch für die Pflege von Angehörigen lässt sich „BayZeit“ einsetzen. Schichtarbeiter Karl Heinz Lang (51) von Bayer HealthCare findet das gut. Vor allem aber hofft er auf einen früheren Ruhestand. „Sonst muss ich nach dem 65. Geburtstag noch zehn Monate arbeiten.“

Doch halt! Braucht man nicht eine enorme Summe, um sich mehrere Monate freistellen zu lassen? „Sicher“, sagt Seufert. „Mehrere Monats-Einkommen sollte man im Idealfall schon auf dem Langzeitkonto haben. Das scheint zunächst nicht ganz so einfach, aber wer mittel- bis langfristig spart, schafft das. Denn man kann das Konto mit verschiedenen Komponenten auffüllen.“

So lässt es sich mit Zeit anfüttern, mit Urlaubstagen oder Altersfreizeit zum Beispiel. Die werden in Geld umgerechnet und kommen so auf die hohe Kante. So will Software-Expertin Hoffmann regelmäßig etwas Resturlaub aufs „BayZeit“-Konto schieben. „Damit eröffne ich mir auch neue

Perspektiven für meine persönliche Lebensplanung.“

Jahresbonus auf die hohe Kante

Das zweite Konto-Kraftfutter ist Geld: Einmalzahlungen zum Beispiel, Schichtzulagen, Prämien und Teile des Entgelts (bis zu 10 Prozent). Schichtarbeiter Lang hat den Jahresbonus auf die hohe Kante gelegt. „Dann stecke ich noch 10 Prozent vom Brutto rein“, sagt er. „Das ist netto gut zu verkraften.“

Denn auch Vater Staat hilft mit vorsorgen. Zurückgelegt wird aus dem Brutto; das schont das Portemonnaie. Steuern und Sozialabgaben fallen erst an, wenn man während der Freistellung aus dem Langzeitkonto den Lohn erhält.

„Das gilt auch bei einem gleitenden Übergang in die Rente, etwa durch Teilzeit im Alter“, so Zühlke. Er ist überzeugt: „Der Bedarf dafür wird wachsen.“

Bayer-Zuschlag für Schichtarbeiter

Übrigens: Schichtarbeiter bekommen bei Bayer einen  Extra-Zuschlag. Bis 2010 verdoppelt der Konzern für sie bis zu einer Höhe von 1.500 Euro jeden zurückgelegten Euro. Ein ordentlicher Zins tut das Seine dazu. Denn Experten des Treuhänders Bayer Pen-sion Trust verwalten die Guthaben. So sind sie auch vor Insolvenz  geschützt.

Nun kann das Alter kommen. Denn mit einem Langzeitkonto ist man für den Fall eines Falles  gewappnet.

Hans Joachim Wolter

 

Das LangzeitKonto im Tarifvertrag

Der neue „Tarifvertrag Lebensarbeitszeit und Demografie“ führt das Langzeitkonto als eines von fünf Instrumenten für einen flexiblen Übergang in den Ruhestand auf. Daneben nennt der Tarifvertrag:


Altersteilzeit

Die Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit läuft laut Gesetz 2009 aus; dann ist sie kaum noch attraktiv.        


Teilrente

Die vorzeitige anteilige Rente lässt sich über den Tarifvertrag aufbessern.


Tarif-Altersvorsorge

Bringt dem, der vorzeitig in Rente geht, eine Zusatzrente.


Berufsunfähigkeitsschutz

Die neue Zusatzversicherung sichert einen für den Fall ab, dass man aus Gesundheitsgründen nicht bis zur Rente arbeiten kann.

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