Firmen-Konjunktur

Frischer Wind in Kläranlagen


Piller Industrieventilatoren bringt auch in der Krise Innovationen auf den Markt

Moringen. Der Daumen zeigt nach oben. Mehr Symbolik geht nicht. Das riesige Plakat an der Produktionshalle der Piller Industrieventilatoren GmbH berichtet von der jüngsten Auszeichnung, die das Unternehmen bekommen hat. Der Mittelständler aus dem Landkreis Northeim hat einen Kompressor entwickelt, der Kleinstlebewesen mit Sauerstoff versorgt – und das wartungsfrei.

Seit gut einem halben Jahr sorgt das Unternehmen für frischen Wind in Kläranlagen. In Göttingen, Osterode und Altena bläst der Turboverdichter „PillAerator“ (siehe auch Beitrag unten) reine Luft zu den Mikroorganismen. Das Besondere: Dank einer neuen Magnet­lagerung muss die Maschine nicht geschmiert werden. Dafür wurde das Unternehmen bereits  als „Ausgewählter Ort im Land der Ideen“ ausgezeichnet.

Eigenes Geld investiert

Für Geschäftsführer Nils Englund ist die neue Anlage ein typisches Beispiel: „Um weltweit erfolgreich zu sein, müssen wir uns ständig Gedanken machen, wie wir noch besser werden können.“

Bei Piller dreht sich seit 100 Jahren alles um Ventilatoren. Vor rund zehn Jahren hatte Geschäftsführer Englund mit seinem Partner Bernd Klostermann bei Piller eigenes Kapital investiert und das Unternehmen so vor der Insolvenz gerettet. Nach Jahren der Unsicherheit, des Personalabbaus und fehlender Investitionen ging es stetig bergauf. Der Umsatz verdoppelte sich auf zuletzt 47 Millionen Euro.

250 Mitarbeiter, 30 Auszubildende – Piller ist ein typischer Mittelständler, hoch innovativ, weltweit gefragt. Im idyllischen Moringen werden die Ventilatoren entwickelt und gefertigt, die im Maschinen- und Anlagenbau, der chemischen Industrie oder auch der Lebensmittel-Industrie zur Anwendung kommen.

Der Global Player liefert etwa 80 Prozent der Produkte ins Ausland. „Wie viele letztlich im Ausland arbeiten, wissen wir nicht genau. Etliche unserer Ventilatoren gehen an deutsche Anlagenbauer, deren Anlagen später dann irgend­wo zum Einsatz kommen“, sagt Englund. Eines kann er definitiv sagen: „Es gibt kein Land auf der Erde, in dem sich nicht ein Piller-Ventilator dreht.“ In den USA und in Singapur sind eigene Niederlassungen entstanden.

Nachfeier zum 100. Geburtstag

Den Konjunktur-Einbruch spüren auch die Südniedersachsen. Kurzarbeit ist die Folge. Doch jetzt zahlt sich aus, dass der Betrieb krisenerprobt ist. „Unsere Mitarbeiter erinnern sich an die schwierigen Zeiten vor knapp zehn Jah­ren“, erklärt der Geschäftsführer. „Wir haben damals eine Menge gelernt.“

Offene Kommunikation in alle Abteilungen lautet seine Devise. Alle Mitarbeiter wissen, dass man auf die weltweite Konjunktur keinen Einfluss hat, aber im Alltag durch strenges Kostenbewusstsein reagieren muss.

„Wir werden 2010 den Tiefpunkt der Krise erreicht haben“, vermutet Englund. „Anschließend wird es bergauf gehen.“ Dann soll auch eine Nachfeier zum 100. Geburtstag stattfinden. Englund: „Die Pläne haben wir schon in der Schublade.“     

Werner Fricke

 

Strömungskanäle – da leuchten Joels Augen

Magnetgelagerter Motor läuft und läuft und läuft …

Wenn Joel Kofi Adomako über Turbolader, Strömungskanäle oder Verdichter erzählt, leuchten seine Augen. Der 38-Jährige ist der Projektleiter der jüngsten Piller-Innovation – dem „PillAerator“.

Was das technische Energiebündel kann, bringt Adomako schnell auf den Punkt: „Es läuft und läuft und läuft.“

Verstärkt ausbilden

Das Geheimnis verbirgt sich in einer hier entwickelten Innovation: „Der Mo­­tor ist magnetgelagert.“  Der energie-effiziente Turbo-Kompressor setzt neue Akzente in der biologischen Abwasserreinigung. Das ist zu­kunftsweisend für eine gute Ökobilanz in Deutschland.

Um technologisch die Nase vorn zu haben, setzt Piller auf bestens ausgebildete Mitarbeiter. „Wir wollen nicht über Fachkräftemangel jammern, sondern verstärkt ausbilden“ – so das Unterneh­mensmotto. Die Ausbildungsquote liegt bei über 10 Prozent. Das ist das Doppelte des Branchendurchschnitts von 5 Prozent.

Schon vor fünf Jahren hatten die Moringer die Idee mit dem magnetgelagerten Motor. Zum Tüfteln war keine Zeit. Das Tagesgeschäft ging vor.

Vor zwei Jahren, als mit Joel Kofi Adomako ein absoluter Spezialist für das Gebiet der Strömungstechnik kam, wurden die letzten Feinheiten für das marktfähige neue Produkt eingearbeitet.

Der gebürtige Ghanaer war vorher in Süddeutschland bei einem Automobil-Zulieferer. „Nicht so ganz mein Ding“, erzählt der Ab­sol­vent der FH Hannover im akzentfreien Deutsch. Ein ehemaliger Studienkolle­ge lockte ihn dann schließlich nach Moringen.

Schon beim Vorstellungsge­­­spräch war klar: Der Job bei Piller, das passt!  Adomako: „Ich habe schon beim ersten Kennenlerngespräch zwei Stunden  lang mit dem Entwicklungs-Chef über technische Details diskutiert.“

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