Metall und Elektro

Frauen auf dem Weg nach oben


Amberg. Noch sind Metaller-Jobs wie Lkw-Führerscheine: meistens Männersache. Katja Bühlmeyer (33) ist da eine doppelte Ausnahme. Sie darf 40-Tonnen-Brummis steuern. Und sie arbeitet in der Entwicklung des Sitzherstellers Grammer im bayerischen Amberg. „Ich muss sehr viel koordinieren“, erklärt Bühlmeyer. Sie leitet ein Projektteam, das einen neuen Traktorsitz konzipiert. Alle acht Kollegen im Team: Männer.

Kein Wunder. Nur jeder fünfte Mitarbeiter der Metall- und Elektro-Industrie (M+E) ist überhaupt weiblich – im gewerblichen Bereich sind es sogar noch weniger Frauen.

Trotzdem bringen es vor allem kleinere Firmen schon auf einen beachtlichen Anteil von Frauen in Führungspositionen: Laut einer repräsentativen Umfrage des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall ist in den Betrieben mit weniger als 50 Mitarbeitern jede vierte Führungskraft weiblich.

„Gemischte Teams arbeiten erfolgreicher“

Insgesamt ist aktuell etwa jede zehnte M+E-Führungsposition mit einer Frau besetzt. „Gerade bei M+E kommen die Führungskräfte oft aus dem technischen Bereich. Wenn da aber die Basis dünn ist, kann die Spitze nicht breit sein!“ Das betont Gesamtmetall-Geschäftsführer Michael Stahl mit Blick auf die weibliche Beteiligung etwa an den technischen Studiengängen.
Dennoch wollen der Umfrage zufolge drei von vier größeren Unternehmen (mit über 250 Beschäftigten) ihre Mitarbeiterinnen gezielt fördern.

Auch Sitzhersteller Grammer, der weltweit 9.000 Menschen Arbeit gibt, treibt das Thema voran: „In Zeiten des beginnenden Fachkräftemangels setzen wir natürlich verstärkt auf Frauen“, erklärt Jutta Winkelsträter, Personalleiterin der Automobilsparte. „Gemischte Teams arbeiten aber auch erfolgreicher.“

Eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll helfen, lange Auszeiten zu verhindern. „Das Unternehmen kommt den Mitarbeitern mit individuellen Arbeitszeitregelungen entgegen – sie uns dafür mit Flexibilität.“

„Kulturwandel ist nötig“

Auch gezielte Weiterbildung fördert die Karriere. Grammer-Mitarbeiterin Bühlmeyer etwa nimmt am Programm „Frauen in Führungspositionen“ teil, das die bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme und vbm initiiert haben. Mitarbeiterinnen aus 21 bayerischen Firmen nutzen dieses Angebot.

Simone Kaiser, Expertin fürs Thema bei der Fraunhofer-Gesellschaft, hält solche Programme für sinnvoll – wie auch interne Quotenziele und gute Vereinbarkeit von Job und Familie. „Nötig ist aber auch ein Kulturwandel in den Unternehmen“, betont sie.

Die Forscherin hat gemeinsam mit ihrer Kollegin Katharina Hochfeld untersucht, warum Frauen trotz aller Ziele und Programme in Beförderungsrunden häufig leer ausgehen. Im Fokus standen neun Großunternehmen, darunter Bosch, EADS und Infineon. Eine Erkenntnis: Frauen (und insbesondere Mütter) leiden darunter, dass Leistung oft mit Verfügbarkeit und Präsenz gleichgesetzt wird.

Zudem sind Frauen in einem technisch orientierten Umfeld nicht nur sehr selten. „Sie stellen andere Fragen, haben ein anderes Führungsverhalten – und werden deshalb besonders kritisch beäugt“, so Hochfeld. Hier einen Wandel anzustoßen, sei Sache der Führungsspitze.

 

Professorin Barbara Schwarze, Vorsitzende des Vereins „Kompetenzzentrum Technik – Diversity – Chancengleichheit“. Foto: Gayer

Professorin Barbara Schwarze im AKTIV-Interview:

„Mehr Chancen als früher“

Expertin: Junge Frauen haben es leichter

Staat und Wirtschaft geben viel Geld für Frauen-Förderung aus: Allein der „Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen“ kennt etwa 1.000 Projekte! Wie sie wirken, beobachtet die Osnabrücker Professorin Barbara Schwarze, Vorsitzende des Vereins „Kompetenzzentrum Technik – Diversity – Chancengleichheit“.

AKTIV: Mehr Frauen für technische Berufe zu gewinnen – darum bemüht man sich ja schon lange. Drehen wir uns da nicht allmählich im Kreis?

Schwarze: Aber nein. Wir sehen auf allen Schienen eine Menge Vorwärtsbewegung. Gerade bei den jungen Frauen tut sich sehr viel.

AKTIV: Zum Beispiel?

Schwarze: Junge Frauen haben heute eindeutig mehr Chancen, nach dem Berufseinstieg in Führungspositionen zu kommen, als früher.

AKTIV: Dabei kann ein Uni-Abschluss natürlich helfen. Wie halten es denn die Abiturientinnen zum Beispiel mit der Elektrotechnik?

Schwarze: Sie trauen sich so ein Studium öfter zu. Und schaffen es öfter – in absoluten Zahlen, aber auch anteilig. Im Jahr 2000 hatten wir bundesweit 293 E-Technik-Absolventinnen, das entsprach 3,7 Prozent. 2011 waren es 1.091 Absolventinnen! Die Quote ist aber „nur“ auf 8,8 Prozent gestiegen, weil auch mehr Männer E-Technik studiert haben.

AKTIV: Welche „Frauenquote“ halten Sie denn in diesem speziellen Fach für möglich?

Schwarze: 25 bis 30 Prozent sind machbar – wenn alle daran arbeiten. Im gesamten MINT-Bereich, also in den Ingenieur- und den Naturwissenschaften, ist der Frauenanteil an den Absolventen seit 2000 von damals 26 Prozent auf jetzt 31 Prozent gestiegen.

AKTIV: Wie steht es um das Engagement der Unternehmen?

Schwarze: Viele könnten durchaus noch mehr für Mädchen anbieten. Vorbildlich ist das neue Niedersachsen-Technikum: Da können junge Frauen Studium und Beruf sechs Monate erproben, schon 34 Unternehmen machen mit. Und ein ganz wichtiger Punkt: Ingenieur-Organisationen wie etwa der VDE wissen inzwischen sehr viel über das Thema – etwa, dass junge Frauen stärker ins Ausland drängen als junge Männer. Oft fehlt es dann aber an der Umsetzung im betrieblichen Alltag.

www.komm-mach-mint.de

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