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Forschung für sauberes Wasser


Warum sich der Automobil-Zulieferer Mann+Hummel mit schlauen Filtertechniken beschäftigt

Ludwigsburg. Eigentlich produzieren die rund 13.000 Beschäftigten, die weltweit für Mann+Hummel im Einsatz sind, hauptsächlich Filter für die Automobil-Industrie: Luft-, Öl- und Kraftstoff-Filter. Seit 2009 aber beschäftigen sich einige von ihnen mit etwas ganz Neuem. Es geht um die Aufbereitung von Wasser. Denn dafür gibt es einen riesigen Markt – der liegt vor allem in Asien.

Dort wachsen die Bevölkerung und die Industrie rasant, der Wasserverbrauch und die Wasserverschmutzung nehmen ständig zu. Eine ganz neue Herausforderung für die betroffenen Schwellenländer. Manfred Wolf, einer der Geschäftsführer des Ludwigsburger Konzerns, erklärt: „Die Aufbereitung ist ein Milliardenmarkt, und wir wollen natürlich auch dabei sein.“

Das Geschäft soll massiv zulegen

Ein großes Labor am Hauptsitz des Unternehmens in Ludwigsburg: Hier, im „Technikum“, arbeiten sieben Leute mit vielen verschiedenen Messgeräten. Konzentriert tüfteln sie an Membran- Filtern, die aus verschmutzter Brühe Frischwasser machen.

Die Produktion entsprechender Filter läuft schon. Im vergangenen Jahr hat Mann+ Hummel einen Membran-Spezialisten in Singapur übernommen, wo die Filter hergestellt werden. Sie tragen bereits 10 Millionen Euro zum Konzern-Umsatz bei. Das sind zwar bisher nur 0,5 Prozent, aber das Geschäft mit den Wasserfiltern soll massiv zulegen. Das Ziel von Geschäftsführer Wolf ist „eine dreistellige Millionenzahl beim Umsatz“.

Als Kunden hat das Unternehmen die Industrie, aber auch Kommunen asiatischer Länder im Visier. Denn sie müssen für sauberes Wasser sorgen und brauchen dafür die richtigen Technologien. In China gibt es etwa eine neue Abwasserverordnung. Und in Indonesien müssen neue Häuser mit einem Recycling-System ausgestattet werden.

Michael Micke, Entwicklungsleiter Wasserfiltration bei Mann+Hummel, erklärt: „Gebraucht werden flexible, leicht zu bedienende Filtersysteme für den dezentralen Einsatz.“ Sie müssen gut erweiterbar sein, eine lange Lebensdauer haben und sparsam im Energieverbrauch sein.

Selbst Nano-Teilchen bleiben hängen

Im Hochwassergebiet in Thailand waren beispielsweise Mann+Hummel-Filter mit Handpumpen im Einsatz. Auch in Deutschland hat das Unternehmen erste Kunden.

Die aus vielen Tausend Hohlfasern bestehenden Membran-Wasserfilter müssen viel kleinere Teilchen filtern als die klassischen Ölfilter. Sie haben winzige Poren von nur 12 bis 15 Nanometern Durchmesser. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist dagegen ziemlich dick, nämlich 70.000 Nanometer.

Künftig will Mann+Hummel sogar Nano-Filter entwickeln, die auch Teilchen mit ein bis zwei Nanometern Durchmesser noch aus dem Wasser fischen – das können zum Beispiel winzige organische Moleküle und pharmazeutische Spurenelemente sein. Entwicklungsleiter Micke erklärt: „Dazu werden wir das Know-how des gesamten Hauses konsequent nutzen.“

 

ÜBRIGENS ...

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