Nachwuchs

Formeln zum Frühstück


In der Krefelder Chemie-Akademie experimentieren Schüler wie Profis

Morgens um halb neun setzen sich die Teenager eine Schutzbrille auf, ziehen weiße Kittel über Jeans und Kapuzenshirt. Dann beginnen sie mit ihrer Arbeit in den Laborräumen des Currenta-Ausbildungszentrums im Chempark Krefeld-Uerdingen. An jedem zweiten Samstag im Monat.

Vielen Gymnasiasten reicht der in der Regel eher theoretische Chemie-Unterricht nicht. Gründe dafür sind fehlender Platz für Versuche oder nicht optimal ausgestattete Chemie-Räume. Manche Lehrer erklären ihrer Klasse die chemischen Reaktionen auch lieber an der Tafel.

Eines ist sicher: In der Chemie-Akademie kommt die Praxis nicht zu kurz. Und so lassen sie sich dort am Wochenende fünf Stunden lang in ihrem Lieblingsfach weiterbilden – 28 Mädchen und Jungen aus 16 Schulen der Region. Die Initiative „Chemie-Akademie Krefeld“ ist ein Pilotprojekt der Unternehmerschaft Chemie Niederrhein und der Dienstleistungsgesellschaft Currenta. Es ging im November 2009 an den Start und soll zwei Jahre lang laufen.

Echte Versuche statt Lehrfilme

„Mit der Chemie-Akademie wollen wir für die Schüler Naturwissenschaften greifbar machen“, sagt Astrid Holzhausen von der Unternehmerschaft Chemie Niederrhein. „Wir wollen ihre Leidenschaft für Chemie unterstützen und ihnen Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten zeigen.“ Das soll gegen den Nachwuchsmangel wirken: Bereits jetzt haben erste Betriebe Schwierigkeiten, geeignete Auszubildende zu finden.

Das liegt auch daran, dass Bewerber die entsprechenden Leistungen in naturwissenschaftlichen Fächern nicht mitbringen. „Da fehlt bei den Schülern oft das Interesse“, bedauert Holzhausen. „Deswegen versuchen wir auch so früh wie möglich, die Lust dafür zu wecken.“

Das Konzept der Chemie-Akademie scheint aufzugehen. „Die Schüler sind motiviert“, sagt Ausbilder Hans-Peter Küpper, der gemeinsam mit Gerd Berns den Jugendlichen mit fachlichem Rat zur Seite steht. „Wenn jemand fehlt, dann nur, weil er krank ist.“

Eine der Wochenend-Schülerinnen ist Ellen Dautzenberg aus Neukirchen-Vluyn. Gekonnt erhitzt die 16-jährige Gymnasiastin eine Natrium-Sulfat-Lösung auf exakt 90 Grad. Die Apparatur mit Thermometer, Tropftrichter und Dreihalskolben hat sie in nur zehn Minuten aufgebaut: „Am Anfang hat das eine halbe Stunde gedauert“, erzählt sie. Solche Versuche kenne sie bisher fast nur aus Lehrfilmen. Das frühe Aufstehen an einem Samstagmorgen bereitet Ellen keine Probleme.

Auch ihr Altersgenosse Sven Urff aus Dormagen  „opfert“ gerne seine Freizeit. Für ihn steht nun fest: Er will Chemie-Ingenieur-Technik studieren. „Unser ganzes Leben besteht ja aus Chemie.“

Tüfteln in Labor und Technikum

Auf dem Unterrichtsplan der Chemie-Akademie stehen auch Stoff-Analysen, sicherer Umgang mit Chemikalien, Produkte im Labor herstellen oder eine Station im Chemie-Technikum. „Die Schüler bekommen Einblicke in Forschung, Entwicklung und Produktion, damit sie alle Bereiche eines Betriebes kennenlernen“, erklärt Ausbilder Berns.

Er ist übrigens wie die Schüler freiwillig hier. 30 Jahre lang war er Ausbilder beim Chemie- und Pharma-Konzern Bayer. Jetzt ist er im Ruhestand. Von der Laboratmosphäre mag er sich aber noch nicht so richtig trennen. „Das ist eben mein Hobby“, sagt er.

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Schlagwörter: Schule

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