Schule

„Formeln sind einfach öde“


Der „Tag der Chemie“ begeistert Kinder. Doch wie bleiben sie am Ball?

Zaubern wie Harry Potter – das begeisterte jetzt 120 Schulkinder. Auf Einladung der Chemieverbände Rheinland-Pfalz durften sie am „Tag der Chemie“ an der Uni Landau zusammen mit angehenden Chemie-Lehrern tüfteln. Wie aber hält man das Interesse der „Zauberlehrlinge“ wach? Das weiß Professor Björn Risch (36), Leiter der Arbeitsgruppe Chemiedidaktik Uni Landau.

AKTIV: Chemie ist in der Schule ziemlich unbeliebt. Woran liegt das?

Risch: Der Unterricht findet nur theoretisch auf rein modellhafter Ebene statt – wir können Atome eben nicht sehen. Das erschwert das Verständnis. Viele Schüler fragen sich: „Wozu brauche ich das?“ und schalten ab. Ein weiterer Grund ist ganz einfach, dass der ChemieUnterricht mitten in der Pubertät beginnt – Formeln sind für Siebt- und Achtklässler einfach öde.

AKTIV: Aktionen wie der „Tag der Chemie“ kommen aber gut an.

Risch: Schülerlabors finden außerhalb der Schule statt und sind somit spannend. Die Jugendlichen dürfen dort selber ohne viele Worte experimentieren. In der Schule erwartet sie meistens das Gegenteil: viel Theorie und wenig Praxis.

AKTIV: Also müssten die Lehrer mehr experimentieren?

Risch: Das wäre schön. Ein Lehrer kann aber nicht in jeder Stunde ein buntes Feuerwerk abbrennen. Die Vorbereitungen für ein Experiment sind viel zu aufwendig.

AKTIV: Was also tun?

Risch: Je regelmäßiger Schülerlabors stattfinden, umso nachhaltiger sind sie. Schule und Veranstalter sollten sich gut absprechen. Dann könnten Experimente im Unterricht nachbereitet oder ergänzt werden. Leider stehen starre Lehrpläne den Lehrern oft im Weg.

AKTIV: Also weg mit zu viel theoretischem Inhalt?

Risch: Genau! Die Pläne müsste man entschlacken und viel mehr am Alltag der Kinder orientieren. 

AKTIV: Und kein Fachchinesisch mehr!

Risch: Ja. Chemielehrer sind gezwungen, mit komplizierten Begriffen zu hantieren, um das Basiswissen zu vermitteln. Doch genau da verlieren viel zu viele Schüler den Faden. Die abstrakte Theorie muss man an Beispielen aus dem Alltag klären. Anhand von einigen anschaulichen Phänomen. Dann macht Chemie richtig Spaß! 

 

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