Die zweite Chance

Förderprogramm „StartPlus“: Damit kriegen Jugendliche endlich die Kurve

Wiesbaden. Brahim Bousfia (22), begeisterter Fußballer, schaffte es bis in die Oberliga. Doch der harte Einsatz kostete ihn viele Verletzungen mit Zwangspausen im Krankenhaus. „Darum habe ich viele Abschlüsse in der Schule und im Beruf nicht gepackt“, erzählt er. Jetzt hat er mit dem Förderprogramm „StartPlus“ eine letzte Chance auf eine solide Berufsausbildung – und will sie unbedingt verwandeln.

„Im Vergleich zu Schulabgängern bin ich richtig alt“, meint Bousfia und seufzt, wenn er an die vielen Absagen auf seine Bewerbungen denkt. Er wünscht sich einen festen Job, Familie, Kinder: „Ohne Ausbildung klappt das nicht“, weiß der junge Mann.

Manager begleiten die jungen Leute als Mentoren

Er will Chemikant werden. Dank des Förderprogramms ist er nun bei Standortdienstleister Infraserv Wiesbaden gelandet. Elf junge Leute, deren Leben bisher nicht so glattlief, werden hier auf eine Ausbildung in der chemischen Indus­trie vorbereitet. „Die Jugendlichen bringen viel Erfahrung mit, das ist gut“, sagt Walter Schmidt, Ausbildungsleiter bei Infraserv. „Sie müssen jetzt lernen, Regeln einer Gemeinschaft zu akzeptieren.“ Dazu gehören Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit.

Jeden Morgen um 7 Uhr auf der Matte zu stehen, ist für Franziska Bohrmann (17) nicht das Problem: „Da gewöhnt man sich schnell dran“, meint sie. Ihr fällt es dagegen schwer, auf andere Menschen zuzugehen: „Ich bin mehr der stille Typ“, gesteht sie schüchtern. Auch sie möchte Chemikantin werden, zwei Schul-Praktika in der Kita und bei Rewe hatten ihr „nicht so“ gefallen.

Den jungen Leuten stehen ehrenamtliche Mentoren zur Seite. Bei Brahim Bousfia ist es Jürgen Funk, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands HessenChemie. „Man muss den jungen Leuten zuhören, ihre Probleme erkennen und sie ermutigen“, so der Manager.

Das findet auch Claudia Aretz, die Franziska Bohrmann durch die Maßnahme begleitet. Sie ist Einkaufsleiterin beim Software-Unternehmen SAP in Walldorf und weiß zum Beispiel, wie man sich in einer „Männerwelt“ behauptet: „Ohne Krawall oder kratzbürstig zu sein.“ Die angehenden Azubis freuen sich über die Mentoren: „Sie erzählen uns, dass auch bei ihnen nicht alles glattlief“, sagt Bousfia. „Das macht echt Mut.“

Wenn die Teilnehmer durchhalten, startet im September ihre eigentliche Ausbildung. Dann haben sie wirklich gute Aussichten: „Die Betriebe haben uns signalisiert, dass sie unsere Schützlinge später übernehmen“, sagt Ausbilder Schmidt.

Übrigens

Das „StartPlus“-Programm

  • Die Maßnahme dauert sechs Monate und bereitet Jugendliche auf eine Ausbildung vor.
  • Die Jugendlichen erhalten eine Integrationsvergütung von 450 Euro pro Monat. Diese Summe finanziert der Unterstützungsverein der chemischen Industrie (UCI).
  • In Wiesbaden läuft das Förderprogramm „StartPlus“ erstmals in Kooperation mit den „Joblingen“. Ehrenamt­liche Mentoren bereiten die jungen Leute vor und begleiten sie zusammen mit erfahrenen Sozialpädagogen.

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