Menschen

Flugzeuge im Kopf


Leidenschaft: Richard Beringer wartet und repariert Klassiker, wie hier das Triebwerk einer Me 262. Foto: Bodmer

EADS-Mitarbeiter Richard Beringer schwärmt für Traditionsflieger

Manching. Als Richard Beringer zum ersten Mal in einem Oldtimer in die Luft geht, bekommt er gleich einen riesigen Schreck. „Ein dumpfer Knall, Ölgeruch im Cockpit und der Pilot und ich mit überraschten Gesichtern“, erinnert sich der Flugzeugmechaniker.

Nach dem Check der Instrumente und Sicherungen gab es für den Piloten der HA200 nur die schnelle Landung. „Als unten schon die Feuerwehr vorfuhr, hab ich mir so meine Gedanken gemacht“, erzählt Beringer grinsend.

Abgeschreckt hat das den Flugzeugmechaniker nicht. Er ist mit Begeisterung einer von fünf Betreuern historischer Flugzeuge bei EADS in Manching. „Es ist eine Ehre für mich, diese Klassiker warten zu dürfen. Die müssen die Piloten mit beiden Händen am Knüppel steuern. Das ist was ganz anderes als die Flugautomaten von heute.“ An Beringers Arbeitsplatz, einer 30 mal 40 Meter großen Halle auf dem Manchinger Werkgelände von EADS Military Air Systems, haben die Messerschmitt-Stiftung und EADS acht Flugzeuge aus den 40er-Jahren des vorigen Jahrhunderts untergebracht.

Sie werden regelmäßig überprüft, geflogen und für Luftfahrtmessen zur Verfügung gestellt – um das Erbe von Luftfahrt-Pionier Willy Messerschmitt zu bewahren.

Handarbeit an der Mutter aller Jets

Beringer ist zuständig für eine HA 200 Saeta (Spanisch für „Pfeil“) und eine Messerschmitt 262-B1-A. „Das ist die Mutter aller Düsenjets“, erklärt er. „Sie war 1944 das erste Jagdflugzeug mit Strahl-Antrieb, das in Serie gebaut wurde.“ Der Turbinenantrieb setzte sich in der Folge gegen den Kolbenmotor durch.

Beringer zeigt auf die Flügel und schwärmt mit breitem Grinsen: „Durch diese Pfeilform der Tragflächen und durch ihren revolutionären Antrieb war die Me262 bis zu 200 Stundenkilometer schneller als andere Flugzeuge und erreichte etwa 850 Sachen Spitze – damals einzigartig.“ Das Grundkonzept ihrer Auslegung ist seitdem Standard im Flugzeugbau.

Die Messerschmitt braucht mehr Pflege als moderne Maschinen. Auch wenn sie kein Originalstück, sondern ein Nachbau von 2005 ist.

In reiner Handarbeit prüft Beringer die Hydraulik von Fahrwerk und Landeklappen, testet alle Anzeigen, wechselt Schläuche und tankt auch selbst: „Das läuft noch wie früher mit einer Zapfpistole. Es dauert aber länger als mit dem Auto an der Tankstelle.“

Selbst fliegen darf er „seine“ Schmuckstücke nicht, nur zum Rollfeld schleppen. Doch in seiner Freizeit hebt er mit einem anderen Fluggerät ab: mit dem Hängegleiter („Drachen“). „Wenn man über die Täler gleitet, ist das einfach irre“, sagt er.

Kontrollen als Lebensversicherung

Große Gefühle hatte Richard Beringer auch nach seiner ersten Notlandung mit dem Flugzeug-Oldtimer HA200. Damals war ein Stromumwandler, ein sogenannter Inverter, geplatzt. „Gefährlich war das nicht, weil ein zweites System einspringen kann. Aber die Ursache kennt man halt erst, wenn man wieder unten ist.“

Deshalb geht Richard Beringer ein genauer Check über alles. Das wissen auch die Piloten. Ein Altgedienter, der vorbeischaut, sagt: „Der Richie ist meine Lebensversicherung.“

Eva Schröder

Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Schon mein Vater war Mechaniker für das Kampfflugzeug Tornado, sogar in diesem Werk. Da lag mein Beruf nahe.

Was gefällt Ihnen besonders?

Die Abwechslung. Noch selbst schrauben zu können, ist toll. Und ab und zu mitzufliegen natürlich auch.

Worauf kommt es an?

Auf Konzentration und genaues Arbeiten. Dann ist Fliegen so sicher wie Fahrradfahren.

 

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