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Integration von Zuwanderern im Märkischen Kreis

Flüchtlingsprojekt des Verbands MAV: Wie ein Afrikaner die Chancen genutzt hat

Im Frühsommer hat er geheiratet; seit September macht Aboubakar Fofana eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer. Der Flüchtling aus Afrika ist in Deutschland endgültig angekommen.

Stolz auf die Werkstücke: Wenn das Ergebnis stimmt, macht auch Feilen Spaß. Foto: HGO

Stolz auf die Werkstücke: Wenn das Ergebnis stimmt, macht auch Feilen Spaß. Foto: HGO

Wie eine Familie: Vor dem Standesamt standen die Kollegen Spalier für das Ehepaar Fofana. Foto: HGO

Wie eine Familie: Vor dem Standesamt standen die Kollegen Spalier für das Ehepaar Fofana. Foto: HGO

Projektstart: In Plettenberg stellten der MAV und seine Kooperationspartner gemeinsam mit zwei der elf Teilnehmer die neue Qualifizierungsmaßnahme vor. Foto: MAV

Projektstart: In Plettenberg stellten der MAV und seine Kooperationspartner gemeinsam mit zwei der elf Teilnehmer die neue Qualifizierungsmaßnahme vor. Foto: MAV

Aboubakar Fofana hat es geschafft. Vor sechs Jahren machte er sich als 17-Jähriger in Guinea auf den Weg, den Traum vom Leben in Deutschland im Kopf. Jetzt ist er angekommen, in Ennepetal, in der Wirklichkeit – und er ist glücklich dabei.

In der Ausbildungswerkstatt bei ABC, wo er seit dem 1. September eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer macht, zeigt er stolz die Projektarbeiten, die er bisher gefertigt hat. Im Frühsommer hat er geheiratet; seine Frau hat er im Salsa-Kurs kennengelernt. Vor dem Standesamt standen die Kollegen mit großen Spax-Schrauben Spalier. „Ich war so überrascht und stolz. Die Firma ist wie eine Familie“, sagt der 23-Jährige und strahlt.

Dreijährige Flucht über die Türkei und Griechenland – eine wahre Odyssee

Der Afrikaner hat sicher Glück gehabt, aber er hat auch einiges dafür getan. In Guinea hatte er ein Praktikum im Sicherheitsdienst gemacht, sich auf seiner dreijährigen Flucht über die Türkei und Griechenland als Koch durchgeschlagen: „Mit Metall hatte ich nie etwas zu tun. Ich habe nicht erwartet, dass ich das kann.“

Trotzdem meldete er sich Anfang 2017 für das Projekt „Berufsbezogene Sprachförderung & Berufliche Qualifizierung Metalltechnik“, das der Märkische Arbeitgeberverband (MAV) mit Jobcenter und VHS in Ennepetal und Gevelsberg initiierte und in den Ausbildungswerkstätten von ABC und thyssenkrupp Bilstein durchführte.

„Wenn ich ein Ziel habe, mache ich alles dafür“

„In Guinea wird viel mit den Händen gearbeitet“, meint er: „Und wenn ich ein Ziel habe, mache ich alles dafür.“ Mit dieser Zielstrebigkeit stach Fofana von Beginn an heraus. Der einstündige Anfahrtsweg war kein Thema, bei jeder Verspätung meldete er sich sofort. Die Arbeit mit dem Metall machte ihm zunehmend Spaß; selbst das unbeliebte Feilen war erträglich: „Man fängt mit nichts an und hat am Ende etwas Tolles geschaffen.“

Für ABC-Ausbildungsleiter Hans-Jürgen Barth war Fofana ein Wunschkandidat. Nach dem Praktikum – neben Sprachförderung und Metall-Grundkurs fester Bestandteil des Projekts – übernahm das Unternehmen ihn in eine Einstiegsqualifizierung. „Ich wollte direkt eine Ausbildung machen, aber Herr Barth hat mir abgeraten“, berichtet Fofana: „Und das war gut so.“

„Die deutsche Sprache ist der Schlüssel für mich“

Während des EQ-Jahres besuchte er die Berufsschule: „Das war schon was anderes als der VHS-Sprachkurs. Dort waren die Lehrer sehr geduldig. In der Berufsschule muss man viel schreiben, schnell verstehen und dann geht es schon weiter im Unterricht.“ Hans-Jürgen Barth und die anderen in der Ausbildungswerkstatt hätten viel geholfen. Dafür ist Fofana sehr dankbar. Mittlerweile ist eine Drei die schlechteste Note, sein Ziel ist eine Eins in allen Fächern: „Ich will mehr lernen, vor allem Deutsch. Die Sprache ist der Schlüssel für mich.“

Diese Aussage ist das, was alle an den MAV-Flüchtlingsprojekten Beteiligten sofort unterschreiben würden. In Ennepetal endet gerade die elfte Maßnahme. Von anfangs zehn Teilnehmern ist die Hälfte noch dabei, mit einer guten Chance auf Übernahme. Mit der Pünktlichkeit sei es schon mal schwierig gewesen, berichteten die Vertreter der Praktikumsunternehmen bei einem Erfahrungsaustausch. Mit den Kollegen kämen dagegen alle gut klar. Nur die Sprache sei bei dem einen oder anderen noch ein Problem.

Zwei neue Projekte sind im Märkischen Kreis gestartet

MAV-Geschäftsführer Josef Schulte wies auf die Möglichkeit eines zusätzlichen Sprachunterrichts hin und empfahl ebenfalls die Einstiegsqualifizierung: „Damit steigen die Chancen deutlich, die jungen Leute für eine Ausbildung oder eine Arbeitsstelle fit zu machen.“

Bei rund 150 geflüchteten Menschen ist das dem MAV und seinen Kooperationspartnern bereits gelungen. Und die nächsten haben sich schon auf den Weg gemacht. Im September starteten zwei neue Projekte im Märkischen Kreis mit insgesamt 26 Teilnehmern. Wenn alles gut geht, sind sie im Frühjahr da, wo Aboubakar Fofana jetzt schon ist: angekommen.


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aktualisiert am 28.11.2018

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