Eine gute Perspektive

Flüchtling aus Afghanistan startet beim Schleifmittel-Hersteller VSM in den Beruf

Hannover. Das neue Leben von Rahmatullah Kamran hat gerade erst begonnen: Am 1. August startete der 24-jährige Flüchtling aus Afghanistan seine Ausbildung als Fachlagerist bei den Vereinigten Schmirgel- und Maschinen-Fabriken (VSM) in Hannover. Kamran ist einer von sechs Flüchtlingen, die gerade im Rahmen des Projekts „Fit für die Ausbildung“ ins Berufsleben gestartet sind, vier weitere machen eine Qualifizierung.

Das Netzwerk Zukunftinc, dem acht Unternehmen angehören, war 2009 eigentlich gegründet worden, um Synergien im Personalmarketing zu erzielen. Denn Firmen wie VSM, die Jäger Unternehmensgruppe oder Hüttenes-Albertus stehen alle vor derselben Herausforderung: Es fehlen Ingenieure und Facharbeiter. Die hohe Zahl von Flüchtlingen führte dann die Unternehmensinitiative, die Wirtschaftsförderung der Region Hannover und das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft zusammen. Das Projekt „Fit für die Ausbildung“ wurde geboren.

Azubi-Speed-Dating ist hier schwer

Wer neue Azubis sucht, der greift heute oft zu ungewöhnlichen Mitteln. Zukunftinc sucht inzwischen auch per Speed-Dating – dabei haben Kandidaten jeweils zehn Minuten Zeit, die Arbeitgeber von sich zu überzeugen. Das war auch mit Flüchtlingen so geplant, entwickelte sich dann aber zum Slow-Dating: Man brauchte mehr Zeit, um sich zu verständigen.

Die größte Hürde sind oft die Sprachkenntnisse, berichtet Fritz Kelle, Personalleiter der VSM. Gleichzeitig lobt er die Motivation der Flüchtlinge. „Sie wissen, was sie erreichen wollen“, so Kelle, „es gibt das Potenzial junger Menschen, mit denen wir etwas auf die Beine stellen können.“

Die Region Hannover hofft, dass das Projekt Nachahmer findet. „Weitere Unternehmen sollen genauso den Weg gehen und jungen Flüchtlingen eine Chance auf dem Arbeitsmarkt geben“, sagt der zuständige Wirtschaftsdezernent Ulf-Birger Franz. Die meisten seien hoch motiviert, fix im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Rahmatullah Kamran freut sich über seinen neuen Job. Auch wenn es nicht immer leicht ist: „Im Flüchtlingswohnheim ist es laut“, berichtet er. „Wenn ich um vier Uhr zur Frühschicht aufstehe, bin ich müde, weil mein Zimmernachbar bis drei Uhr nachts Playstation spielt.“

Arbeitgeber denken sogar an eine Azubi-WG

Auch Personalchef Kelle hebt hervor, dass die Unterbringung für ein geregeltes Berufsleben nicht förderlich ist. Auch hier sucht Zukunftinc eine Lösung; man überlegt, den jungen Leuten eine gemeinsame WG zu organisieren.

Wird Kamran eines Tages nach Afghanistan zurückkehren? „Wenn ich von der Gewalt dort höre, glaube ich, dass es auch in 100 Jahren nicht besser wird“, sagt er. Da denkt er doch lieber daran, wie sich der Weg für ihn in Deutschland entwickeln könnte. Nach der erfolgreichen Ausbildung könnte es als Fachkraft Lagerwirtschaft weitergehen.


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aktualisiert am 15.11.2017

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