Nordmetall-Cup

Flotte Flitzer & kühle Köpfe


„Formel 1 in der Schule“: Jugendliche werden zu Konstrukteuren und Rennpiloten

Die Anspannung steht dem „Nachwuchs-Piloten“ ins Gesicht geschrieben: gebannter Blick, zusammengepresste Lippen. Warten auf den Start. Wenn auch das fünfte Licht der Signalanlage erlischt, heißt es blitzschnell Daumen drücken! Dann explodiert die Gaspatrone im turnschuhgroßen Formel-1-Boliden. Ein Knall, eine Rauchfahne, und mit bis zu 100 Stundenkilometern saust der Mini-Rennwagen die Strecke entlang, geführt an einem Nylonband. Der Weltrekord für die 20 Meter lange Trasse liegt bei 1,03 Sekunden.

„Formel 1 in der Schule“ heißt dieses Spektakel. Ein internationaler Wettbewerb, der seit mehr als zehn Jahren Schüler in aller Welt begeistert. Die 11- bis 19-Jährigen konstruieren, bauen und fahren die Autos. Und sie entwickeln ein passendes Marketing-Konzept.

Ein Geodreieck als Heckspoiler

In Norddeutschland bringt die Nordmetall-Stiftung das spannende Technik- und Wirtschaftsprojekt in die Schulen.  Sie kürt im „Nordmetall Cup“ auch die Landesmeister. Rund 300 Schüler in 59 Teams waren diesmal dabei.

Jetzt stehen die zwölf Siegerteams aus Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern fest. Ende Mai fahren sie zur Deutschen Meisterschaft nach Paderborn – und eines von ihnen vielleicht zur Weltmeisterschaft nach Kuala Lumpur.

„Mit 1,178 Sekunden waren wir das schnellste unter 14 Teams in Schleswig-Holstein“, freut sich Tobias Meder vom Team „Bionic (R)Evolution“. Die Oberstufenschüler der Alexander-von- Humboldt-Schule in Neumünster fiebern jetzt der Deutschen Meisterschaft entgegen. „Wir wollen unter die Top Fünf kommen.“

Fast zwei Jahre tüftelte das Team an seinem himmelblauen Mini-Rennwagen. Nach der Schule, zwischen Klausuren. Die Stromlinienform ihres Rennwagens haben sich Tobias und seine Mitschüler bei den Pinguinen abgeschaut.

Das Team „Fast & Fair“ von der Klaus-Groth-Schule in Neumünster setzte dagegen auf Wiederverwertung. Die Räder sind aus Plastikröllchen, der Heckspoiler ist ein altes Geodreieck, der Anstrich aus Nagellack-Resten. Denn Schnelligkeit ist nicht alles beim Nordmetall Cup. Die Gesamtverpackung muss stimmen.

Neben Konstruktion und Bau geht es nämlich auch ums Marketing und die Präsenta-tion vor einer Fachjury. „Wir wünschen uns innovative Ideen“, sagt Sybille Neumann, Marketingleiterin bei Nordmetall.

Jeder im Team erfüllt seine Rolle

„Die Schüler müssen uns Konstruktion, Fertigung und Vermarktung sowie die Teamarbeit in acht Minuten schlüssig begründen“, erklärt Neumann die Spielregeln. Dazu gehören auch die Sponsorensuche und das passende Logo. InternetBlog, Kurz-Video und Flyer machen ebenfalls Eindruck.

Um das alles zu schaffen, bekommt jedes Teammitglied einen Verantwortungsbereich: vom Teammanager, Konstrukteur, Produktions- und Res-sourcenmanager bis zum Grafikdesigner. Neumann: „Wir achten sehr darauf, dass jeder seine Rolle erfüllt.“

Das Team von „Motion Blur“ fährt zwar nicht zur Deutschen Meisterschaft. Aber die fünf „Schumis“ in den roten Rennanzügen aus der Sachsenwaldschule Gymnasium Reinbek freuen sich über den Sonderpreis für die beste Teamleistung in Schleswig-Holstein.

Auch die Zusammenarbeit mit einem Betrieb kann sich lohnen. Wie beim Team „Wedel Racing“, das von der Jenoptik-Tochter ESW GmbH unterstützt wurde und einen Sonderpreis für die beste Konstruktion bekam.

Am Ende gewinnen ohnehin alle Schüler, die sich durch den Cup für Technik begeistern.

Beate Münchenbach

Der Wettbewerb

Die Idee zu „Formel 1 in der Schule“ stammt von Rennsport-Boss Bernie Ecclestone persönlich. Der internationale Technologiewett­bewerb für Schüler wird weltweit mit Regional- und Landesmeisterschaften ausgetragen. Die Weltmeisterschaft findet immer im Vorfeld und am Ort eines Formel-1-Rennens statt. Dadurch besteht für die Jugendlichen die Chance, die Profis live zu erleben.

Strenge Regeln

Ein Team besteht aus drei bis sechs Mitgliedern und muss seinen Entwurf mit einem 3-D-CAD-System entwickeln. Der Korpus wird mit einer CNC-Fräsmaschine aus einem Balsaholz-Rohling ausgefräst. Die Schüler entscheiden, welche Räder und Aufhän­gung sie verwenden. 55 Gramm soll das Auto wiegen – ohne Patrone. Jedes Gramm zu wenig gibt Punktabzug, jedes Gramm zu viel kostet Schnelligkeit.

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