Strategie

Flexibilität ist Trumpf


Was den Erfolg von Thermo Fisher am Standort Osterode ausmacht

Osterode am Harz. Wer verstehen möchte, warum deutsche Firmen in der Metall- und Elektro-Industrie wieder so erfolgreich sind, sollte am Arbeitsplatz von Martin Geile und Manfred Borchard in

Osterode vorbeischauen.

Die beiden Facharbeiter der Thermo Electron LED GmbH (330 Mitarbeiter) fertigen Laborzentrifugen. Martin Geiles Arbeitsplatz ist in der Einzelfertigung. Jedes einzelne Bauteil der Zentrifuge wird von ihm montiert – vom ersten bis zum letzten Arbeitsgang. Zwei Geräte pro Woche erstellt der Industrie-Elektroniker. Manfred Borchard befindet sich nur wenige Meter entfernt in der Fließfertigung. Dort wandern die Geräte aufgrund hoher Automatisierung von einem Montageplatz zum nächsten.

Die Flexibilität der Mitarbeiter macht den Standort Osterode für den amerikanischen Thermo-Fisher-Konzern (35.000 Mitarbeiter, 10 Milliarden Doller Umsatz) interessant. „Damit sichern wir unsere extrem kurze Lieferzeit“, sagt Werkleiter Dr. Thomas Reck. Deshalb lassen die Amerikaner dort Laborzentrifugen für Kunden in aller Welt fertigen.

Vielseitige Mitarbeiter

Wenn eine Universität, ein Laborzentrum oder ein Phar-ma-Konzern schnellstmöglich eine Zentrifuge braucht, vergehen kaum mehr als drei Wochen, bis die Harzer liefern. „Die Kunden wissen, dass sie ein topmodernes Gerät bekommen“, ergänzt Dr. Reck. Dafür sorgt das 31-köpfige Team von Entwicklungsleiter Dr. Andreas Karl.

Seine Ingenieure und Techniker entwickeln und optimieren die Geräte, damit sie produktiv und leise sind und wenig Energie verbrauchen. Dr. Karl: „Darauf legen unsere Abnehmer besonders viel Wert.“ Nicht selten, dass die Geräte zehn Jahre und länger im Einsatz sind.

Doch allein mit kurzer Lieferzeit und hoher Qualität lässt sich der Erfolg von Maschinenbau-Unternehmen wie Thermo Fisher nicht erklären. Um die Kosten im Griff zu behalten, müssen sie auch auf eine hohe Produktivität achten. Dafür sorgt die Vielseitigkeit der Mitarbeiter. Jeder  kann bei Bedarf an unterschiedlichen Fertigungsplätzen eingesetzt werden.

Eigener Nachwuchs

Flexibilität ist Trumpf. Und auf diese Anforderung werden die Mitarbeiter gründlich vorbereitet. „Deshalb setzen wir verstärkt auf unseren eigenen Nachwuchs“, erklärt Personalleiterin Luise Schrader. „Die Auszubildenden werden nach erfolgreichem Abschluss selbstverständlich übernommen.“

Zum Erfolgsrezept gehört in Osterode außerdem die enge Verzahnung von Produktion und Entwicklung (Center of Excellence Separationstechnologie). „Die Entwickler haben jetzt extrem kurze Wege zur Fertigung. So lassen sich Prob-leme schnell lösen“, erklärt Werkleiter Dr. Reck.

Gute Voraussetzungen, um langfristig erfolgreich zu sein. Doch der Werkleiter schränkt ein: „Nur wenn wir ständig versuchen, noch besser zu werden, haben wir dauerhaft eine Chance. Das gilt sowohl im konzerninternen wie auch im externen Wettbewerb.“

Werner Fricke

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